Rede nach Wahlsieg
Erdogan will „Streit der Vergangenheit“ beilegen

Der künftige Präsident der Türkei zeigt sich in seiner ersten Rede nach der Wahl versöhnlich: Er will den „Streit der Vergangenheit“ beilegen. Von den Türken in Deutschland bekam er bei der Wahl viel Zuspruch,
  • 0

AnkaraNach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl in der Türkei hat der noch amtierende Regierungschef Recep Tayyip Erdogan eine „neue Ära“ für das Land angekündigt. Er werde Staatsoberhaupt aller 77 Millionen Türken sein, sagte Erdogan am Sonntagabend in seiner versöhnlich gehaltenen Siegesrede in Ankara. Die Konflikte der Vergangenheit sollten der „alten Türkei“ angehören. „Heute ist ein historischer Tag“, sagte Erdogan. „Heute schließen wir die Türen zu der alten Ära und eröffnen eine neue Ära.“ Der 60-Jährige wird das erste durch das Volk gewählte Staatsoberhaupt der Türkei.

Nach Auszählung von rund 99 Prozent der Wahlzettel kam Erdogan laut vorläufigen Ergebnissen der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bei der Wahl vom Sonntag auf 51,9 Prozent der Stimmen. Auf Ihsanoglu entfielen 38,3 Prozent, auf den drittplatzierten Kandidaten Selahattin Demirtas 9,7 Prozent.

Auch der Chef der Wahlkommission, Sadi Güven, sprach auf der Grundlage erster vorläufiger Ergebnisse von einer absoluten Mehrheit für Erdogan. Kritiker befürchten, dass Erdogan als Präsident seine Macht weiter ausbauen und die Islamisierung der Türkei vorantreiben könnte.

Erdogan regiert seit 2003 und hätte nach den AKP-Statuten nicht ein viertes Mal Ministerpräsident werden dürfen. Erdogan gelang der Wahlsieg trotz zahlreicher Krisen, die seine Regierung seit dem Sommer vergangenen Jahres erschütterten. Damals gingen bei den Gezi-Protesten Millionen Türken gegen seinen autoritären Regierungsstil auf die Straßen. Später sah sich seine Regierung massiven Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Auch aus der EU wurde Erdogans autoritärer Kurs mehrfach kritisiert.

Seite 1:

Erdogan will „Streit der Vergangenheit“ beilegen

Seite 2:

Kritik vom Gegenkandidaten

Kommentare zu " Rede nach Wahlsieg: Erdogan will „Streit der Vergangenheit“ beilegen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%