Rede von Theresa May

„Ich will nicht, dass die EU zerfällt“

Die britische Premierministerin Theresa May strebt einen klaren Bruch mit der EU an. Dazu legte sie in London einen Zwölf-Punkte-Plan vor. Am Ende des Prozesses soll das Parlament entscheiden.
Update: 17.01.2017 - 13:50 Uhr 26 Kommentare

May will klaren Bruch mit EU — aber „Europas Freund bleiben“

LondonKaum ein europäisches Land, das heute keinen Vertreter nach London entsandt hat: Zur Rede der britischen Regierungschefin Theresa May im Lancaster-Herrenhaus nahe dem Buckingham-Palast sind viele Botschafter geladen. Von der Erklärung erhoffte sich das politische Europa endlich mehr Klarheit über die Pläne zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Die Klarheit haben die EU-Länder nun, auch wenn sie vielen nicht gefallen wird. Großbritannien verlässt nämlich nicht nur die EU, sondern auch den europäischen Binnenmarkt.

Sie wolle keine Teil-Mitgliedschaft oder assoziierte Mitgliedschaft in der EU „oder irgendetwas, das uns halb drin, halb draußen lässt“, sagt May gleich zu Beginn ihrer Rede. „Wir streben nicht nach einem Modell, das andere Länder schon genießen“, sagte sie in Anspielung auf Länder wie Norwegen.

Das Land ist kein EU-Mitglied, hat aber vollen Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Im Gegenzug muss es zum EU-Haushalt beitragen, EU-Bürgern erlauben, in Norwegen zu leben und zu arbeiten, und einen großen Teil der EU-Gesetzgebung übernehmen. May betonte: „Wir streben nicht danach, an Häppchen der Mitgliedschaft festzuhalten, wenn wir gehen.“ Ihr Land werde gestärkt aus dem Brexit hervorgehen, das Land solle „wahrhaft global sein und bester Freund und Nachbar seiner europäischen Partner.“

May strebt einen Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion an. Stattdessen plädiert sie für ein Freihandelsabkommen mit der EU. Der Handel mit der EU solle so zollfrei und reibungslos wie möglich bleiben. Zugleich betonte May, dass ihr Land „bester Freund und Nachbar“ seiner europäischen Partner bleiben werde. Deshalb werde sie eine praktikable Lösung suchen, um einerseits die Integrität der britischen Grenzen zu sichern und andererseits die Reisemöglichkeiten zu erhalten.

May spracht sich gegen einen weiteren Zerfall der EU. „Ich will nicht, dass das passiert“, sagte May. „Wir wollen den Binnenmarkt nicht untergraben, wir wollen die Europäische Union nicht untergraben.“ Großbritannien habe ein Interesse daran, dass die EU erfolgreich sei. May betonte, das Brexit-Votum sei keine Ablehnung der gemeinsamen Werte gewesen.

Am Ende solle eine neue Partnerschaft mit der EU auf Augenhöhe stehen, sagte May. Großbritannien wolle zwar die EU verlassen, nicht aber Europa. Schließlich will die Premierministerin das Parlament ihres Landes über den Brexit abstimmen lassen. Sie werde das Ergebnis der Austrittsverhandlungen mit der EU in beiden Kammern zur Abstimmung stellen.

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26 Kommentare zu "Rede von Theresa May: „Ich will nicht, dass die EU zerfällt“"

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  • @Herr Heinz Keizer, 17.01.2017, 17:12 Uhr

    "Vielleicht schafft es ja die Politik des Herrn Trump die EU-Europäer auf einen gemeinsamen Weg zu zwingen. Dann würde der Mann ja noch positives bewirken. Das GB austritt ist allerdings tragisch. Sowohl für GB, als auch für die EU."

    Volle Zustimmung.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • „Ich will nicht, dass die EU zerfällt“
    „May betonte, das Brexit-Votum sei keine Ablehnung der gemeinsamen Werte gewesen.“
    „Am Ende solle eine neue Partnerschaft mit der EU auf Augenhöhe stehen, sagte May. Großbritannien wolle zwar die EU verlassen, nicht aber Europa.“

    Die EU-Länder tun also gut daran, wenn sie die Auffassung und die freien – und selbst verantworteten - Entscheidungen der Briten nicht als Kriegserklärung auffassen.

    Darüber, ob es längerfristig wirklich eine gute Idee ist, ausgerechnet unter einem US-Präsidenten Donald Trump ein gemeinsames Handelsabkommen mit den USA abzuschließen, sollte man in Großbritannien auf jeden Fall sehr gründlich nachdenken. Nicht nur im Hinblick auf die „Post-Trump-Ära“, sondern ganz allgemein.

    Und dafür Sorge zu tragen, dass solche Differenzen wie jetzt zwischen der EU und Großbritannien nicht schon wieder in Form eines unfairen Steuersenkungswettbewerbs auf dem Rücken der Bürger (welcher Länder auch immer) ausgetragen werden, sollte selbstverständlich ein gemeinsames Anliegen aller verantwortungsbewussten Politiker sein. Muss ich (nach „sollte“) unbedingt „eigentlich“ dazuschreiben?

  • @Herr Manfred Richter17.01.2017, 14:26 Uhr

    ich stimme Ihnen ja weitgehend zu. Ich bin überzeugter Europäer. Aber von dem ursprünglichen Einigungsprozess ist nicht mehr viel geblieben. Verträge und Abkommen werden nicht eingehalten. Der Euro hätte so nie eingeführt werden dürfen. Das wird aber alles von Politikern verursacht. Der einzelne Bürger kann da nicht viel machen. Ebenso wenig, wie bei der Sicherung der Außengrenzen, die auch nach Jahren der Probleme noch immer nicht vereinbart, geschweige denn aktiv umgesetzt ist. Man könnte das fortführen. Vielleicht schafft es ja die Politik des Herrn Trump die EU-Europäer auf einen gemeinsamen Weg zu zwingen. Dann würde der Mann ja noch positives bewirken. Das GB austritt ist allerdings tragisch. Sowohl für GB, als auch für die EU.

  • >> EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat Unternehmen in Europa vor eigenmächtigen Abmachungen mit der britischen Regierung noch vor den offiziellen Brexit-Verhandlungen gewarnt. >>

    Die Briten sind auf die EU-Unternehmen nicht angewiesen.

    Neben der EU gibt es noch Japan, USA, Südkorea, China, etc., aus diesen Ländern können die Briten ihre EU-Importe mehr als ersetzen !

  • @

    >> Freihandelsabkommen gibt es nur mit dem kompletten Markt oder gar nicht. Ist eigentlich logisch. >>

    Bei der EU ist NICHTS logisch. Die EU hat auch Assoziierungsabkommens mit Ländern abgeschlossen, die mit anderen Ländern in ASSOZIAZION standen ( Ukraine, assoziiert mit den GUS-Staaten, war für die EU kein Hindernis, obwohl UNLOGISCH ).

    Und wenn Deutsche Interessen es anfordern, werden auch Handelsabkommen abgeschlossen, die für die EU unlogisch sind !

  • Ennnndlich !! Gratulation an die Redaktion und die Redakteure.
    Ihr habt es geschafft, EU !!! nicht mit Europa gleich zu setzen.
    So muss das. Es kann doch auch für Journalisten nicht zu schwierig sein, endlich zu verstehen das die EU nicht gleichbedeutend EU ist !!
    Manchmal musste ich wirklich glauben es fände so eine Art "Gehirnwäsche" statt, EU = Europa , Europa = EU

  • @Inge Sipeer
    Die "Blutgeld Überwachung" sollten dann am besten ein Hr. Junker aus Luxemburg übernehmen, oder?!
    Mann oh Mann!

  • Ein armer Angestellter, nehmen sie das nicht wichtig.

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/blackrock-chef-fink-werbung-fuer-die-boersenhochzeit/19260628.html

  • Was ist die Hauptindustrie Englands, abgesehen vom Öl (eigentlich Schottland)? Richtig! Finanzen und alles was damit zusammenhängt (Rechtsanwälte, off-shore, Steuermodelle, Stiftungen etc.).
    Der Restart Englands dient dazu sich den zunehmenden Lasten der EU sowie Steuerharmonisierung und Meldungen, Complience etc. zu entledigen! Der Vorteil war am Schwinden und somit eine wichtige Haupteinnahmequelle!!
    Jetzt können sie wieder gestalten wie sie wollen und somit auch wieder riesige Summen anziehen aus dem Ausland. Mit dem Austritt erfolgt auch keine automatische Steuermeldung an die EU Steuerbehörden! Das ist das eigentliche Ziel, Migration nur ein willkommenes Problem um die Massen zu bewegen und den Schritt zu legitimieren! Reiche Ausländer aus welchen Länder auch immer und ob Blutmillionen waren ja immer willkommen und mußten zuletzt leider wegen EU-Regeln zurückgeweisen werden!
    Da sollte die EU jetzt ansetzen und dieses Brutal aushebeln, damit die sich nicht am Ende ins Fäustchen lachen. Ob sie das schaffen stelle ich in Frage…

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