Rede zum Ausstieg aus Klimapakt
Pittsburgh distanziert sich von Trump

In seiner Rede zum Ausstieg aus dem Klimapakt versucht Trump, die US-Stadt Pittsburgh für sich zu nutzen. Doch Bürgermeister Bill Peduto stellt prompt klar, seine Stadt werde die Richtlinien von Paris befolgen.
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San Francisco„Ich bin von den Wählern gewählt worden, um Pittsburgh zu repräsentieren, nicht Paris“, warf Präsident Donald Trump während seiner Rede als ein Argument ein, um aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Und wie so oft landete er mit einem spontanen Redeeinwurf einen unfreiwilligen Volltreffer.

„Als Bürgermeister von Pittsburgh kann ich versichern, dass wir die Richtlinien von Paris befolgen werden, zu Gunsten unserer Menschen, unserer Wirtschaft und unserer Zukunft“, stellte Bill Peduto per Twitter klar, nachdem auch Weiße-Haus-Sprecher Sean Spicer die Bemerkung Trumps über Twitter verbreitete.

Pittsburgh, das ließ Peduto ebenfalls gleich wissen, hatte im November mit überwältigender Mehrheit für Hillary Clinton gestimmt. Die Stadt hat offensichtlich keine Lust, als Aushängeschild für eine rückwärtsgewandte Politik für Kohle und Dreck dazustehen.

Lokale Medien verwiesen auf etwa 70 neue Arbeitsplätze, die durch ein neues Kohlebergwerk in der Nähe Pittsburghs geschaffen wurden. Trump meinte wohl, diesen Umstand für sich nutzen zu können - als eine Art zusätzlichen Beleg, um seinen Entschluss zu rechtfertigen. Die neue Anlage war allerdings schon lange geplant und wäre auch ohne den Ausstieg aus dem Klimapakt in Betrieb gegangen.

Selbst die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, mischte sich in die Kontroverse ein und twitterte: „Wieder einmal liegt Donald Trump falsch. Pittsburgh und Paris stehen zusammen hinter dem Pariser Abkommen.“

Doch nicht nur Spott und wenig Zustimmung finden sich im Web zu Trumps Plänen. Eine unerwartet hohe Anzahl amerikanischer Großunternehmen, von Banken bis Autobauer wie Tesla, distanzierten sich von Trumps Klimapolitik. Teslas Gründer Elon Musk verkündete, er werde nicht mehr als Berater für den Präsidenten zur Verfügung stehen. Auch Robert Iger, Chef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, will Trump nicht länger beratend zur Seite stehen.

Pittsburghs Bürgermeister Peduto twitterte weiter: Es liege jetzt an den Städten Amerikas, den Kampf gegen den Klimawandel zu führen. Er weiß sich dabei in guter Gesellschaft. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman hatte schon Ende März eine Initiative aus 23 Bundesstaaten und Großstädten ins Leben gerufen, die sich gegen die Rücknahme der Luftverschmutzungsquoten für Kraftwerke durch Donald Trump richtet.

In den USA besitzen Bundesstaaten und Städte weitreichende Befugnisse, wenn es darum geht, eigene Umweltvorschriften zu erlassen. Auch Kalifornien ist Mitglied dieser Gruppe. Gouverneur Jerry Brown machte klar, der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA ist bereit zu kämpfen: „Donald Trump ist auf dem falschen Weg. Er kennt die Fakten nicht. Amerika profitiert vom Paris-Abkommen. Er versteht die Wissenschaft nicht. Kalifornien wird diesen fehlgeleiteten und irrsinnigen Weg nicht mitgehen.“

Aber der Star des Tages im Internet und TV war dann doch Bill Peduto. Im Sender CBS Pittsburgh kartete er später noch einmal nach und beklagte die „schlampig“ zusammengebastelte Rede Trumps, die Pittsburgh immer noch als „schmutzige alte Stadt darstellt, die von Kohle und Stahl abhängt“. Dabei ignoriere Trump die „Opfer, die die Menschen in den vergangenen 30 Jahren erbracht haben, um wieder auf die Füße zu kommen und eine neue Wirtschaft zu schaffen und unsere Luft und das Wasser zu reinigen“. Trump, sagte er weiter, habe „uns als Stereotyp benutzt – und restlos danebengelangt“.

Noch am Freitag werde er eine entsprechende Order erlassen, „die Stadt auf die Vorgaben des Pariser Abkommens“ vorzubereiten. So hatte sich der 70-Jährige Donald Trump die Reaktionen aus der Arbeiterstadt sicher nicht vorgestellt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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