Reduzierte Lieferung an Ungarn
Erste EU-Länder von Gasstopp betroffen

Der russische Gasversorger Gazprom hat der Ukraine komplett den Gashahn abgedreht. Europäische Staaten sollen weiter über die Pipeline durch die ehemalige Sowjetrepublik versorgt werden. Allerdings erklärte der ukrainische Gaskonzern Naftogas, es könne nun doch Schwierigkeiten geben. Tatsächlich kommt bereits weniger Gas in Ungarn an.

HB MOSKAU/ESSEN. Der russisch-ukrainische Gasstreit führt nun offenbar doch zu Liefereinschränkungen in anderen Ländern Europas. Der ungarische Gaskonzern MOL erklärte am Sonntagabend, derzeit käme rund 25 Prozent weniger Gas als üblich in Ungarn an. Daher seien Großkunden aufgefordert worden, ab Montag möglichst auf eine Versorgung mit Öl umzustellen. Das Gas für Ungarn kommt vom staatlich kontrollierten russischen Gaskonzern Gazprom und wird durch Leitungen über die Ukraine transportiert.

Ungarns Wirtschaftsminister Janos Koka erklärte, Gazprom habe Ungarn mitgeteilt, dass es weiterhin die mit Ungarn vereinbarte Menge Gas durch die Leitungen pumpe. Allerdings komme das Gas nicht an der ungarisch-ukrainischen Grenze an. „Dies ist kein ungarisches Problem“, sagte Koka. „Dies ist ein Problem der Europäischen Union und über die EU wird eine Lösung gefunden werden müssen.“

Gazprom hatte am Sonntagmorgen seine Drohung wahr gemacht und seine Gas-Lieferungen an die Ukraine eingestellt. Unternehmenssprecher Sergej Kuprijanow erklärte, seit Sonntagmorgen werde der Druck in den Leitungen reduziert. Zuvor hatte die Ukraine den Vorschlag Moskaus zur Beilegung des Gasstreits abgelehnt.

Der ukrainische Gasversorger Naftogas erklärte daraufhin, der Lieferstopp für das eigene Land könne auch Auswirkungen auf Westeuropa haben. Theoretisch könnte die Ukraine die Pipeline mit dem für Westeuropa bestimmten Gas jederzeit anzapfen. Über die Gasleitung durch die Ukraine werden auch Deutschland und viele andere europäische Staaten mit Gas beliefert.

Die Gazprom-Führung reagierte nach den Äußerungen von Naftogas mit schweren Vorwürfe gegen die Regierung in Kiew. „Von Anfang an waren sie darauf aus, ab dem 1. Januar illegal Gas abzuzapfen oder genauer gesagt zu stehlen“, betonte der Gasprom- Sprecher Sergej Kuprijanow.

In einigen ukrainischen Regionen entlang der Grenze fiel der Druck in den Leitungen am Sonntag bereits ab. Die Ukraine hat jedoch erklärt, sie habe ausreichende Gasreserven für mehrere Wochen. Kuprijanow sagte, die Weigerung der Regierung in Kiew werde „katastrophale Konsequenzen“ für die Wirtschaft des Landes und leider auch „für das brüderliche ukrainische Volk“ haben.

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