Reederei setzt sich durch
Flüchtlinge müssen von Kreuzfahrtschiff verlassen

Ein Kreuzfahrtschiff hatte vor Zypern am Donnerstag 345 syrische Flüchtlinge in Seenot gerettet. Mit ihrem Wunsch, nach Italien zu gelangen, fanden sie jedoch kein Gehör. Für sie geht es nun in Auffanglager.
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LimassolDie syrischen Flüchtlinge, die über ein Kreuzfahrtschiff nach Italien gelangen wollten, haben das Schiff nun verlassen müssen. Die zyprische Polizei zwang die Geretteten, im Hafen von Limassol von Bord der „Salamis Filoxenia“ zu gehen. Zuvor hatten sie verlangt, auf italienisches Festland gebracht zu werden, wie der Chef der Kreuzfahrtgesellschaft Salamis Cruise Lines, Kikis Vassiliou, berichtete. Einige Unterhändler hätten die Flüchtlinge nun jedoch am frühen Freitagmorgen nach stundenlangen Verhandlungen friedlich an Land begleitet, sagte die zyprische Polizeisprecherin Nicoletta Tyrimou.

Das zyprische Kreuzfahrtschiff hatte die 345 Flüchtlinge am Donnerstag an Bord genommen, da ihr Boot in rauer See zu kentern drohte. Nach der Landung im Hafen von Limassol sollten die Flüchtlinge in ein Armeelager gebracht werden. Die Geretteten weigerten sich jedoch, von Bord zu gehen. Nach Polizeiangaben verließen nur 65 Flüchtlinge das Schiff, Ärzte, Krankenschwestern und Mitarbeiter des Roten Kreuzes nahmen sich im Hafen ihrer an. Sie wurden in ein Aufnahmelage nahe Nikosia gebracht. Nun sollen auch die anderen Personen dort hin kommen.

Die Kreuzfahrtreederei zeigte sich angesichts der Forderungen der Flüchtlinge hart und unnachgiebig, Verständnis hatte der Chef der Reederei nicht: „Wir haben alles getan um sie zu retten, wir haben ihnen zu Essen gegeben und Hilfe geleistet, und jetzt wollen sie unser Unternehmen ruinieren“, klagte Vassiliou. Durch die verzögerte Weiterfahrt des Kreuzfahrtschiffes drohten seinem Unternehmen Verluste in Höhe von mehreren hunderttausend Euro, sagte er. Rund 300 russische Urlauber, die mit der „Salamis Filoxenia“ am Donnerstagabend Richtung Israel hätten auslaufen sollen, waren vorerst in Hotels in Limassol untergebracht worden.

Eine Passagierin des Kreuzfahrtschiffs berichtete, die Flüchtlinge seien nach eigenen Angaben von Syrien gestartet und drei Tage auf See gewesen. Der Kapitän habe das Flüchtlingsboot im Stich gelassen. Zypern liegt nur rund 100 Kilometer von der syrischen Küste entfernt. Die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten sowie in Ost- und Zentralafrika haben 2014 so viele Menschen in die Flucht getrieben, wie lange nicht. Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits etwa 3000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • War nur so ein doofes Kreuzfahrschiff mit voller Russen. Eigentlich hätten, ja müssen die Flüchtlinge die Rettung verweigern sollen, und auf die italienische Marine verweisen müssen.

  • Das Erpresserpack gehört nicht aus dem Mittelmeer rausgefischt, sondern in dieses reingeschmissen...

  • Syrische Flüchtlinge wollen ihren Rettungskreuzer nicht verlassen
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    Das ist aber gar nicht gut. Denn jetzt wird jeder Reeder Weisung an seine Flotte erteilen, KEINE Flüchtlinge mehr an Bord zu nehmen - dann werden in Zukunft noch mehr Wasserleichen zu verzeichnen sein.

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