Referendum
Griechen empören sich über Merkel-Vorschlag

In Athen reagieren Politiker und Medien mit heftiger Kritik auf einen angeblichen Referendum-Vorschlag Merkels. Der Chef der Linksradikalen wirft ihr vor, Griechenland wie ein Land unter Protektorat zu behandeln.
  • 49

AthenDer angebliche Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), in Griechenland eine Volksabstimmung über den Verbleib des Landes in der Eurozone abzuhalten, hat in Athen für Empörung gesorgt. „Das griechische Volk braucht kein Referendum, um seine Wahl des Euro, für den es bereits zahlreiche Opfer gebracht hat, zu beweisen“, erklärte der Chef der konservativen Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, am Samstag. Der Vorschlag Merkels sei „bedauerlich“ und könne nicht akzeptiert werden. „Das griechische Volk hat das Recht auf Respekt von seinen Partnern.“

„Frau Merkel ist es gewohnt, sich an die politischen Spitzen Griechenlands zu wenden, als ob es sich um ein Land unter Protektorat handele“, kritisierte der Chef des linksradikalen Parteienbündnisses Syriza, Alexis Tsipras. Bei den nächsten Parlamentswahlen am 17. Juni würden die Griechen ihre „definitive Antwort“ geben und der Sparpolitik und der „Unterwerfung“ ein Ende bereiten. Die Syriza war bei der Wahl am 6. Mai mit 16,8 Prozent zweitstärkste Kraft geworden. Nach einer Umfrage vom Freitag könnte sie bei den Neuwahlen auf 21 Prozent kommen, bliebe aber hinter der ND mit 23,1 Prozent.

„Die Frage in Griechenland ist nicht ein Ja oder Nein zum Euro, sondern der endgültige Ausweg aus der Krise“, erklärte der Vorsitzende der sozialistischen Pasok, Evangelos Venizelos. Das Abhalten eines Referendums liege allein in der Zuständigkeit der Regierung und des griechischen Parlaments und nicht bei der Europäischen Union oder den Regierungen anderer Mitgliedstaaten.

ND und Pasok hatten als Regierungsparteien in dem hochverschuldeten Land die Sparbemühungen im Gegenzug für internationale Hilfen getragen und waren dafür bei den Wahlen am 6. Mai abgestraft worden. Da keine Regierung zustande kam, gibt es nun Neuwahlen.

Auch die Zeitungen kritisierten den angeblichen Vorschlag Merkels am Samstag scharf. Nur der griechische Interims-Ministerpräsident Panagiotis Pikrammenos hält die Debatte für abgeschlossen. Er sagte, über das Thema sei genug geredet worden. „Wir schauen jetzt nach vorn zum EU-Gipfel am 23. Mai“, sagte Pikrammenos am Samstag im griechischen Fernsehen.

Am Vorabend soll Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefongespräch mit dem griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias eine mögliche Volksabstimmung „Euro oder Drachme“ (die alte Währung) zur Sprache gebracht haben. Dies hatte am Freitagabend das Büro des griechischen Ministerpräsidenten mitgeteilt. Eine Regierungssprecherin in Berlin hatte dies umgehend dementiert. Die Kanzlerin hatte sich bei früheren Gelegenheiten öffentlich gegen eine solche Volksabstimmung ausgesprochen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Referendum: Griechen empören sich über Merkel-Vorschlag"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • 4: Telekommunikationstechnik kam und kommt nicht ausschliesslich zu 100% aus dem Ausland. Siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Intracom. OTE war lange erfolgreicher Hauptinvestor in vielen Ländern der südosteuropäischen Region, was der Grund für die die Telekom war, 2010 größter Anteilseigner der OTE zu werden. Hier geb ich zu, dass es keine gute Idee war, diese Anteile zu verkaufen, da OTE ein profitables UN in GR ist. Zudem hat man elektronische Technologiesektoren, auch und vor allem bei Militaersynergien gab es schon länger Fortschritte, siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_maritimen_Waffensysteme_der_Griechischen_Marine. Da wurde einiges in gr. Werften, u.a. bei Hel. Shipyrards fertig gestellt. Nicht schlecht für einen Staat mit nur 11 Mio. Einwohnern. Aber o.k. Das soll ja bei Ihnen vermutlich keine Rolle spielen. Hust, hust .. ! 6.: Sehr große Solarmodulhersteller gibt es noch nicht lange, zugegeben. Es gibt Sie aber. http://www.telecables.gr/applic_en.php?ap=14 , mehr hab ich nicht behauptet. 7. Im Tourismus und Agrarsektor bestehen Wachstumsmöglichkeiten, Punkt. Realitätsnah sind vor allem die Hellenen geworden die letzten 2 Jahre, oft sehr schmerzhaft. Da mach ich mir keine Sorgen. Im Gegensatz zu manchen Deutschen ( Absatzmarkt Europa/ Euro in Gefahr durch drohende Zahlungsunfähigkeit vieler Länder (sogar Italien), etc.) ..Manipulation durch Medien und Polit-Prominenz sowie Wirtschaftsmagnaten gab es vor allem in der BRD. Der OECD hat GR auch schon eine gute Entwicklung bescheinigt. Die Reformen zeigen Wirkung. Ihr Feind, FILO MOU, ist Ihre teutonische Arroganz. Grüße

  • Soso, 11 Jahre lang. Wie konnten Sie das nur aushalten ?? Zu Ihren Tatsachen:
    1: Dass die Wettbewerbsfähigkeit niedriger ist, als in reicheren Ländern wie die BRD, ist mir schon klar. Die Produktivität ist trotzdem stetig gestiegen, jedoch hat der Euro den WB-Vorteil von Ländern wie FR & D verstärkt „aufgezeigt“, durch ungezügelte Importe GR´s. Zuvor war dieser eben nicht so stark zu sehen, durch die Drachme. Mehr nicht. Dass kann eine Ökonomie wie GR nicht so schnell aufholen, das braucht Zeit ( 3-5 Jahre ) und viele Investititonen für moderne Prod.maschinen. Was soll denn diese Unterstellung mit bloßer Anwesenheit von Arbeinehmern?, sehr fraglich. Übrig. warn die gr. Gastarbeiter dann jedoch ganz recht und fleissig genug in den 60ern-90er Jahren um für deutsche UN zu arbeiten, oder??
    2. Dasselbe gilt für die Gewerkschaften in GR. Ich weiss, in D schufften manche gerne für n Hungerlohn, wenn der DAX stimmt und D sich Exportweltmeister nennen darf, dann ist die Welt für Sie i. O., richtig? Familienplanung, Koexistenz von Deutschen/ bzw. uns Europäer kam dafür aber leider zu kurz. Nur mal so nebenbei. Komischerweise hat China die letzten Jahre massiv in gr. Häfen investiert. So unattraktiv scheints ja dort nicht zu sein. Mit der Zusage übrig. nur gr. Arbeitnehmer zu beschäftigen. Nur so ein Detail, 
    Die Werften bestehen, sind also weiterhin von Wert, auch die Hellenic Shipyards, eben grade weil sie von der arab. Abu Dhabi Mar gekauft wurde.
    3. Dasselbe gilt für die Textilindustrie in GR. Ich hab meine Ausbildung vor ein paar Jahren in einem renommierten UN im Textilgewerbe gemacht. GR geht es ganz gut, was diesen Sektor angeht. Baumwolle aus der Türkei und Indien war übrig. nicht immer sehr qualitativ. Eben nicht "Made in Greece", tjaja! Zitate meines Vorgesetzten im Einkauf. Sie halten dem Wettbewerb sehr wohl stand.

  • 1992 schrieb ein französischer Journalist in einem Kommentar über die Maastrichter Verträge: „Maastricht ist wie der Versailler Vertrag – nur ohne Krieg“. Alles klar?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%