Referendum in der Schweiz: Ausländer meiden zunehmend die Schweiz

Referendum in der Schweiz
Ausländer meiden zunehmend die Schweiz

Die Schweizer stimmen am Sonntag über schärfere Regeln für Ausländer ab. Die fremden- und wirtschaftsfeindlichen Referenden schaden bereits der Wirtschaft. Firmen fällt es schwerer, Arbeitskräfte in der EU zu finden.
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ZürichAn diesem Wochenende hält die Schweizer Wirtschaftselite wieder die Luft an. Denn am Sonntag stimmen die Bürger über eine weitere Volksinitiative der rechts-konservativen SVP ab, die dem Standort Schweiz zu schaden droht: die Durchsetzungs-Initiative. Sie sieht vor, dass Ausländern schon bei Bagatell-Delikten automatisch die Ausweisung droht.
„Die Durchsetzungs-Initiative bringt neue Unsicherheit für das wirtschaftlich wichtige Verhältnis der Schweiz mit der EU“, warnt Ralf Bopp, Geschäftsführer der Handelskammer Deutschland-Schweiz (siehe Interview). Auch Ökonomen und Verbände meinen: Die Flut der wirtschaftsfeindlichen Initiativen wird zu einem Standort-Risiko. So ist immer noch unklar, wie konkret die Masseneinwanderungs-Initiative umgesetzt werden soll, die die Schweizer 2014 angenommen hatten. Sie sieht vor, dass die Schweiz die Zuwanderung wieder mit Kontingenten begrenzt.

Schon die Aussicht auf neue Hürden auf dem Weg in die Schweiz führt offenbar dazu, dass auch weniger Deutsche zum Arbeiten in die Schweiz kommen. Das berichtet zumindest der Schweizer Verband Swissmem, ein Zusammenschluss der Schweizer Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. „Es ist schwieriger geworden, Mitarbeitende in der EU zu rekrutieren, weil diese nicht wissen, wie sich die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative konkret auswirken wird“, sagt Jean-Philippe Kohl, Leiter Wirtschaftspolitik bei Swissmem. So sei ausländischen Kandidaten nicht klar, ob sie in der Schweiz bleiben und ob sie ihre Kinder mitnehmen können.
Laut dem Staatssekretariat für Migration sind vergangenes Jahr netto – also nach Abzug der Auswanderer – 71.495 Menschen in die Schweiz gezogen. Das sind rund neun Prozent weniger als im Vorjahr. Daniel Kalt, Ökonom der UBS, sieht in dem Rückgang dagegen noch keinen Beleg für eine mangelnde Attraktivität der Schweiz. „Die Nettoeinwanderungszahlen sind über das gesamte letzte Jahr trotz Frankenschock fast unvermindert hoch geblieben“, meint er.

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  • Wird die Schlagzeile bald lauten: Ausländer meiden zunehmend Deutschland?
    Gilt das dann für alle Ausländer, auch aus der EU, China, den OPEC Staaten und Nordamerika?
    Müssen dann alle Mitbürger mit Migrationshintergrund Deutschland verlassen?
    Müssen auch die raus, die seit 50 Jahren hier leben?
    Was wollen die: Wir sind das Volk???

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