Reform des Finanzsektors
Stiglitz verlässt „Panama Papers“-Komitee

Nach dem „Panama Papers“-Skandal sollte ein Expertengremium den panamaischen Finanzsektor reformieren. Nun ist der renommierte US-Ökonom Stiglitz ausgetreten. Die Regierung habe versucht, seine Arbeit zu untergraben.

Panama CityDer renommierte US-Ökonom Joseph Stiglitz hat das nach dem „Panama Papers“-Skandal eingerichtete Komitee zur Reform des Finanzsektors von Panama verlassen. „Ich dachte, die Regierung wäre deutlich engagierter, aber offensichtlich sind sie es nicht“, sagte Stiglitz gegenüber dem britischen Online-Portal „The Guardian“. „Es ist verblüffend, wie sehr sie versucht haben, unsere Arbeit zu untergraben.“ Auch der angesehene Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth verlässt das Expertengremium, das nach dem Skandal eingerichtet worden war, um Vorschläge für Reformen zu erarbeiten. Beide erklärten, Panama würde sich weigern, die Ergebnisse des Komitees öffentlich zu machen.

Die Regierung von Panama verteidigt in einem Statement das „autonome“ Management des Komitees und erklärt, Stiglitz und Piet hätten sich wegen „interner Differenzen“ zurückgezogen. Die Regierung danke beiden Männern für ihre Empfehlungen und sagte weiter, man wolle sich weiter um „Transparenz und internationale Kooperation“ bemühen.

Im Zentrum des Skandals um Briefkastenfirmen steht die Finanzkanzlei Mossack Fonseca. Durch die Auswertung von elf Millionen Dokumenten hatte ein weltweites Journalistennetzwerk im April enthüllt, wie die Kanzlei dutzenden Spitzenpolitikern, Sportstars und anderen Prominenten dabei half, Steuern zu umgehen. Die Enthüllungen riefen weltweit Steuerfahnder auf den Plan und fügten dem Image Panamas als Finanzstandort schweren Schaden zu.

Das Komitee unter Leitung von Stiglitz hatte im Juli einen vorläufigen Bericht mit Reformvorschlägen eingereicht. Stiglitz hatte 2001 den Nobelpreis für Wirtschaft gewonnen ist Professor an der Columbia-Universität in New York. Die Regierung von Panama dankte ihm und Pieth am Freitag für ihre Dienste und versicherte, sie halte an „Transparenz und internationaler Kooperation“ im Kampf gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung fest.

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%