Reform des IWF
EU dämpft französische Ambitionen

Um die Finanzmärkte künftig besser zu regulieren, möchte Frankreich die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) stärken. In Deutschland stoßen die Pariser Vorschläge allerdings auf Skepsis. Finanzminister Steinbrück geht die Reform des Weltfinanzsystems zu weit, er möchte zunächst die bestehenden Institutionen besser koordinieren.

BRÜSSEL. Die EU hat die ehrgeizigen französischen Erwartungen an den Weltfinanzgipfel Mitte November gedämpft. Dabei geht es vor allem um die künftige Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF). Es sei zwar grundsätzlich richtig, dem IWF eine „dominante Rolle“ bei der globalen Finanzmarkt-Regulierung zu geben, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gestern nach einer Sitzung des EU-Finanzministerrats. Er lehnte es jedoch ab, bereits zum Auftakt der internationalen Verhandlungen über eine neue Weltfinanzarchitektur eine tiefgreifende institutionelle IWF-Reform zu fordern.

Der französische EU-Vorsitz hatte vorgeschlagen, das Lenkungsgremium des IWF politisch zu stärken. Der Internationale Währungs- und Finanzausschuss (IMFC), dem IWF-Gouverneure, Notenbanker und Finanzminister angehören, solle zu einem Ministerrat aufgewertet werden, heißt es in einem französischen Diskussionspapier für den Ecofin-Rat. Eine solche Veränderung habe „sehr weitreichende Auswirkungen“, die er mit „Reserven“ sehe, so Steinbrück. Solch tiefgreifende Reformen könnten allenfalls am Ende der globalen Verhandlungen über eine Weltfinanzaufsicht stehen.

Die französische Finanzministerin und EU-Ratsvorsitzende, Christine Lagarde, verstand die Botschaft. Sie werde die französischen Pläne noch vor dem EU-Gipfel am Freitag überarbeiten, versprach sie. Am Freitag wollen die EU-Staats- und Regierungschefs sich auf eine gemeinsame Position für den Weltfinanzgipfel verständigen. An dem Treffen Mitte November nehmen neben den großen westlichen Industriestaaten auch die wichtigsten Schwellenländer teil – eine historische Premiere.

„Noch nie war das Fenster so weit geöffnet für internationale Verkehrsregeln auf den Finanzmärkten“, sagte Steinbrück. Eine radikale IWF-Reform werde beim ersten Weltfinanzgipfel gleichwohl nicht herauskommen. Zunächst einmal gehe es darum, eine Arbeitsteilung zwischen dem IWF und dem Financial Stability Forum (FSF) festzulegen. Das FSF solle sich weiter um die Analyse der Finanzmärkte kümmern, während der IWF ein Frühwarnsystem gegen Finanzkrisen entwickeln müsse.

Seite 1:

EU dämpft französische Ambitionen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%