Reform des öffentlichen Dienstes

Athen will Schummel-Beamte loswerden

Kein Abitur, miese Noten im Diplom? Macht nichts – kann man ja nachtragen. Nach diesem Motto haben es möglicherweise Zehntausende Griechen in den Staatsdienst geschafft. Den Betrügern drohen jetzt Konsequenzen.
15 Kommentare
Quelle: Getty Images

Athen
Auch ohne Schulabschluss ist in Griechenland eine Karriere im Staatsdienst möglich. Das zeigen Stichproben des Ministeriums für Verwaltungsreform. Danach haben sich von 5000 Bediensteten 266 ihre Stelle mit gefälschten Abiturzeugnissen erschlichen. Rechnet man diese Quote auf die Gesamtzahl der Staatsbediensteten hoch, könnten rund 35.000 Beschäftigte der öffentlichen Verwaltung Griechenlands bei der Bewerbung mit gefälschten Papieren gearbeitet haben.

Vor diesem Hintergrund bekommt die in Griechenland seit Beginn der Krise geführte Debatte um eine Reform des öffentlichen Dienstes neue Brisanz. Das Thema wird zu einer Belastungsprobe für die Regierungskoalition unter Ministerpräsident Antonis Samaras.

Es geht um fabrizierte Schulzeugnisse, nachträglich „verbesserte“ Noten, angebliche Diplome für gar nicht vorhandene Fremdsprachen- oder Computerkenntnisse und sogar gefälschte Universitätsabschlüsse. Dass die Betrügereien bisher nicht auffielen, ist erklärlich – sie sollten nicht auffallen.

In vielen Fällen dürfte es sich um Bewerber gehandelt haben, denen die Stelle bereits fest versprochen war – als treuen Gefolgsleuten einer politischen Partei, oder weil sie mit einem Politiker verwandt oder befreundet waren. In Griechenland haben solche Gefälligkeiten bei der Stellenvergabe im Staatsdienst eine lange Tradition. Bewerber kommen wegen ihrer Beziehungen zum Zuge, nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten.

Das griechische Klientelunwesen gilt als eine der Ursachen der Schuldenkrise des Landes. Die Vetternwirtschaft hat die öffentliche Verwaltung in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter aufgebläht und zugleich ständig ineffizienter gemacht. Immer mehr unqualifizierte Bedienstete sitzen in den Amtsstuben.

Den Betrügern drohen jetzt Konsequenzen. Bis zum Jahresende muss Verwaltungsminister Kyriakos Mitsotakis ohnehin 6500 Staatsdiener entlassen, so verlangt es die Troika. 2500 davon sollen Bedienstete sein, die bei der Einstellung falsche Papiere vorgelegt haben.

„Ich bringe gute Nachrichten“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

15 Kommentare zu "Reform des öffentlichen Dienstes: Athen will Schummel-Beamte loswerden"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das wäre auch gut für Deutschland und nicht NUR bei den Staatsbeamten die anderen sind ebenso schlecht.

  • Aleternativlos ist das alles nicht. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es die EU und die USA waren, die den Griechen eine Abstimmung über die Reformen und damit den Austritt aus der Euro-Union verboten!!!!
    Schließlich verdienen unsere Reichen Milliarden daran! Oder glauben Sie ein Grieche bekommt unser Steuergeld? Das geht alles an die Zockerbanken in Europa und den USA!

  • Bei der Berichterstattung über die Ukraine, die NSA, den Überfall Israels auf Palästina usw. erkennt jeder, dass unsere Medien nur Berichterstattung nur im Sinne unserer undder US-Machthaber betreiben.

    Warum ist das bei der Berichterstattung über Griechenland anders? Jeder der das Land kennt, müßte doch erkennen, dass man viele nicht verallgemeinern kann. Bei uns sind die verhältnisse gerade im Beamtenwesen doch keinesfalls besser. Aber darüber berichtet man natürlich nicht!

  • Bei der Berichterstattung über die Ukraine, die NSA, den Überfall Israels auf Palästina usw. erkennt jeder, dass unsere Medien nur Berichterstattung nur im Sinne unserer undder US-Machthaber betreiben.

    Warum ist das bei der Berichterstattung über Griechenland anders? Jeder der das Land kennt, müßte doch erkennen, dass man viele nicht verallgemeinern kann. Bei uns sind die verhältnisse gerade im Beamtenwesen doch keinesfalls besser. Aber darüber berichtet man natürlich nicht!

  • Ich meine es nur gut mit Ihnen. Ich weiß nicht, wie alt Sie sind, aber ich würde jede Bewerbung in die Tonne treten, die Ihre Schreibweise für Dipl.-Ing. aufweist!
    Und ich befinde mich da in guter Gesellschaft. Was sollte ein Personaler oder ein technischer Direktor von einem Bewerber halten, der nicht einmal seinen eigenen Grad richtig schreibt? In die Tonne damit, aber hurtig!

  • Daß die deutsche Verwaltung einer dringenden Reform bedarf, ist gar keine Frage, aber das wir für eine über alle Maßen korrupte Verwaltung in Griechenland zahlen sollen, ist nicht im Ansatz einsehbar.
    Die Argumente und Fortschrittsmeldungen der "Griechischen Reformer" sind teilweise einfach nur hanebüchen grausam!

  • "Ich glaube, wir Deutschen sollten da mal ganz leise sein."

    Genau! Zahlen und Schnauze halten!

  • Das Handelsblatt macht zwischen den Eingabefeldern automatisch ein Leerzeichen. Somit würde dann entweder "Dipl. -Ing." oder "Dipl.- Ing." entstehen. Da sieht meiner Ansicht nach "Dipl. Ing." einfach besser aus.
    Wer sich an der Schreibweise stört, kann auch einfach wegschauen. Angesicht der Unmengen von Schreibfehlern (auch meiner!) hier sollte das auch nebensächlich sein.

  • Ich glaube, wir Deutschen sollten da mal ganz leise sein.
    Es gibt immer wieder solche Fälle bei uns die ans Licht kommen, und etliche mehr die unerkannt bleiben.
    Nicht nur Verteidigungsminister, sondern Ärzte, Professoren,
    Sozialpädagogen, Verwalter im staatlichen Arbeitsdienst
    (Bundesagentur für Arbeit, ihr Anhang an Maßnahmenträgern und Eingliederungshilfen kassierende Arbeitgeber)

  • Danke für die Belehrung :-)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%