Reform
Deutschland pocht auf seine Position im IWF

Deutschland will im Zuge der Reformen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) seinen Einfluss in der Organisation erhalten. IWF-Chef Rodrigo Rato wird zudem aufgefordert, bei der Umsetzung der Neuerungen Ausgabendisziplin zu wahren.

HB BERLIN/SINGAPUR. Kurz vor Beginn der Herbstkonferenz des Internationalem Währungsfonds (IWF) und der sieben führenden Industrieländer (G-7) in Singapur ist Deutschland auf Kollisionskurs in Sachen IWF-Reform gegangen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesbank-Chef Axel Weber machten am Samstag deutlich, dass Deutschland seine Einflussposition innerhalb des Fonds im Zuge der Reform nicht aufweichen lassen will. Die US-Vorstellung, die neue Formel zur Aufteilung der Quoten im Fonds vornehmlich am Bruttoinlandsprodukt zu orientieren, lehnten Steinbrück und Weber explizit ab. Die Quoten entscheiden über den Einfluss der Mitgliedsländer in der Organisation.

Zugleich kündigte Weber an, er werde vom IWF-Chef Rodrigo Rato ein Anpassung der Fonds- an neue Aufgabenstrukturen fordern, etwa beim Personal der Finanzinstitution. Es müsse zunächst um ein schlüssiges Mittelfristkonzept des Fonds und neue Prioritäten gehen. Jetzt schon zusätzliches Kapital für den Fonds zu fordern, sei nicht die Zeit. Der Fonds müsse erst einmal seine Ausgaben überprüfen, wie er es selbst anderen immer wieder empfehle.

Währungsfragen werden nach Steinbrücks Worten in den internen Gesprächen im Rahmen von IWF und G-7 eine wichtige Rolle spielen. Ob Deutschland dabei das Problem des derzeit schwachen japanischen Yen ansprechen wird, ließ er offen. Die Weltwirtschaft sei ansonsten in einer so günstigen Situation wie seit Jahren nicht mehr, erklärte der Minister. Das sollte aber nicht den Blick darauf verstellen, das erhebliche Risiken beständen, die angegangen werden müssten. Das gelte vor allem für die zunehmenden weltweiten Ungleichgewichte. Skeptisch äußerte sich Steinbrück, dass die in der Sackgasse steckenden Freihandelsgespräche im Rahmen der Welthandelsorganisation wiederbelebt werden können. Gelinge das nicht, müsse auch Europa mehr auf bilaterale Handelsabkommen „als zweitbeste Lösung“ gegenüber einem multilateralen Ansatz setzen.

Im Zentrum der Diskussionen in Singapur soll die Reform des Fonds und seiner internen Einflussstrukturen stehen, die sich an den so genannten IWF-Quoten eines Landes ausrichten. Hintergrund ist, dass die aktuelle Quotenverteilung nicht mehr den aktuellen Gewichten in der Weltwirtschaft entspricht. Daher sollen die Quoten für stark aufstrebende und benachteiligte Länder - China, Südkorea, Mexiko und die Türkei - kurzfristig angehoben und dann später in einem zweiten Schritt das gesamte System mit einer neuen Quotenformel reformiert werden.

Seite 1:

Deutschland pocht auf seine Position im IWF

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%