Reform-Rede
„Griechenland droht der Sturz in den Abgrund“

Mit einer wortgewaltigen Rede verteidigt Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou die Sparmaßnahmen der Regierung. Ohne harte Reformen drohe ein Absturz. Unterstützung erhält er von Bundesbank-Präsident Weidmann.
  • 10

Athen/FrankfurtSchuldensünder Griechenland läuft die Zeit davon. „Es muss alles jetzt gemacht werden“, sagte am Freitag der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou im griechischen Parlament. Wenn alle nötigen Reformen nicht sofort in die Tat umgesetzt würden, drohe dem Land der Sturz in den Abgrund.

Wer glaube, dass das Land ohne schmerzhafte Maßnahmen gerettet werden kann, der irre sich. „Das Land kann sich nicht ewig Geld leihen“, fügte Papakonstantinou hinzu. Seine Rede wurde vom Fernsehen übertragen. 

Auch für Bundesbank-Präsident Jens Weidmann stehen die Griechen vor harten Reformen. Er warnt vor einer Verlängerung der Laufzeiten griechischer Staatsanleihen. laut Redetext in Hamburg. „Die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen würde sich kaum ändern“, erklärte Weidmann. „Zudem würden die Gefahren einer Ansteckung anderer Länder deutlich steigen“, warnte er. Kritiker befürchten, dass eine „weiche“ Umschuldung Griechenlands ähnliche Begehren nach Hilfe bei anderen kriselnden Euro-Staaten wie Irland und Portugal wecken könnte.

Nach monatelangen Spekulationen über eine nahende Umschuldung wird seit kurzem erstmals offiziell über eine mögliche Umstrukturierung des gigantischen griechischen Schuldenberges gesprochen. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, hatte eine „sanfte“ Umschuldung nicht mehr ausgeschlossen. Dazu können laut Experten Laufzeitverlängerungen für Kredite oder die Ermäßigung von Zinsen gehören.

Am Donnerstag hatte der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, die Regierung in Athen informiert, das Klima in der EU-Metropole Brüssel und am EZB-Sitz Frankfurt habe sich geändert; die Geduld der anderen Europäer sei am Ende. Grund: Die Reformen in Griechenland werden nicht vorangetrieben. Papademos ist heute Berater des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou.

Papandreou will kommende Woche die Eckpunkte eines neuen noch schärferen Sparprogramms bekanntgegeben. „Der Kampf mit der Krise ist voll entbrannt“, sagte Papandreou am Freitag. Mit diesem sollen 50 Milliarden Euro bis 2015 vom Verkauf staatlicher Immobilien und Privatisierung gefunden werden. Zudem sollen durch weitere Steuereinnahmen 26 Milliarden in die Staatskassen in den kommenden zwei Jahren fließen.

Weidmann sieht die Euro-Zone insgesamt am Scheideweg: „Die künftige Rolle der europäischen Währungsunion wird davon abhängen, wie mit dieser Situation umgegangen wird“, sagte er mit Blick auf Griechenland. Es bestehe aber „kein Zweifel, dass es zuerst und vor allem Aufgabe Griechenlands selbst“ sei, geeignete zusätzliche Schritte zu ergreifen, sollten die bereits eingeleiteten Reformen nicht ausreichen. Der von Athen eingeschlagene Sparkurs sei hart, aber unerlässlich, um Vertrauen wieder herzustellen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Reform-Rede: „Griechenland droht der Sturz in den Abgrund“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die armen Reeder Griechenlands!
    Griechenlands Problem hat eine simple Ursache: die wirklich Reichen bezahlen dort keinerlei Steuer. Alle voran die Reeder. Und davon gibt es in Piräus eine ganze Menge. Diese Multimillionäre verstecken ihre Reichtümer hinter offshore Unternehmen, d.h. Briefkastenfirmen, und gelten somit als mittellos! Auch die jetzige Regierung wagt es nicht diese Mega-Steuerhinterzieher zu disziplinieren. Nach wissenschaftlichen Schätzungen entsprechen die zu zahlenden Steuer von jedem einzelnen griechischen Reeder den Steuern einer griechischen Kleinstadt. Athen sollte endlich handeln. Denn alle Kürzungen bei den kleinen Leuten und die Einsparungen im Staatsapparat nützen nichts, wenn Papandreou den Reichen nach wie vor erlaubt Steuer massiv zu hinterziehen. Ohne richtigen Einnahmen ist die Pleite seines Landes sicher.

  • Was wir nun sehen, ist das Resultat unseres falschen Geldsystems. Die verlorene Genaration Spaniens hat das in ihrem Manifest der Empörung auch sehr gut dargestellt: http://bit.ly/iGMLJI

  • Achso,was ich vergssen habe .

    Wenn die verlorenen Bankguthaben durch frisch gedrucktes Geld ersetzt werden sollten, wird der Dummichel ebenso der Verlierer sein. Über den Umweg der Inflation und angeschlossener Rezession.

    Wir stehen im Augenblick vor einer Gabelung
    Entweder direkte Hammerrezession oder
    vorausgehende Inflation mit anschließender Hammerrezession.


    WAS auf jeden Fall gewiss ist, ist die

    HAMMERREZESSION !!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%