Reformbedarf
Umbildung in Japans Regierung weckt Erwartungen

Er geht entschlossen vor und gibt somit vielen Anlass, auf Wandel zu hoffen: Der japanische Regierungschef Abe baut sein Kabinett um, sorgt für mehr Vielfalt und Reformbereitschaft. An der Börse kommt das gut an.
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TokioJapans Regierungschef Shinzo Abe hat sein Kabinett am Mittwoch umgebildet und damit Hoffnungen auf neue Reformen geweckt. Im Mittelpunkt des Interesses steht der neue Arbeitsminister Yasuhisa Shiozaki, der für den Pensionsfonds der Regierung (GPIF) zuständig ist. Die Pläne des Ministers sehen vor, das Portfolio des Rentenfonds umzuschichten und dabei stärker auf Inlandsaktien zu setzen. Zugleich soll der Fonds direkt am Markt als Käufer auftreten und Transaktionen nicht mehr über Vermögensverwalter tätigen. Experten schätzen, dass dem Aktienmarkt durch die Reformen umgerechnet rund 100 Milliarden Dollar (76,1 Milliarden Euro) an frischem Geld zufließen werden. Entsprechend positiv reagierte die Börse auf die erste Regierungsumbildung Abes seit dem Regierungsantritt im Dezember 2012.

Der Leitindex Nikkei stieg zwischenzeitlich auf ein Sieben-Monats-Hoch und ging mit einem Plus von rund 0,4 Prozent aus dem Handel. "Die Reformen in Japan dürften sich beschleunigen", prophezeite Ökonom Ryota Sakagami vom Finanzhaus SMBC Nikko Securities. Aufhorchen lässt auch, dass Abe nun fast ein Drittel aller Kabinettsposten mit Frauen besetzt hat. Dieser symbolträchtige Schritt ist Teil einer Reformagenda, mit der Abe Japanerinnen zu stärkerer Beteiligung am Arbeitsleben ermutigen will. Wegen der relativ niedrigen Erwerbsquote von Frauen bleibt das Land hinter seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten zurück. Abe will dies ändern und das Wachstum anschieben.

Ökonomen rechnen für das dritte Quartal mit einem aufs Jahr hochgerechneten Plus von rund drei bis fünf Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Angekurbelt werden könnte der Konsum durch Bonuszahlungen vor allem großer Unternehmen an ihre Mitarbeiter. Zudem stehen die Chancen für Lohnerhöhungen nicht schlecht, da es für die Firmen zunehmend schwierig ist, geeignete Mitarbeiter zu finden. Sollte sich die Wirtschaft rasch wieder erholen, dürfte Abe nach Einschätzung von Experten die Mehrwertsteuer im Oktober 2015 wie geplant von acht auf zehn Prozent anheben. Als Abwehrmaßnahme gegen die hohe Staatsverschuldung hatte er in einem ersten Schritt die Mehrwertsteuer bereits im April erhöht und damit dem Konsum zugleich einen Dämpfer verpasst. Die unpopuläre Erhöhung gilt jedoch als mutige Reformanstrengung Abes: Sie war der erste Versuch einer Regierung seit mehr als 15 Jahren, die galoppierende Staatsverschuldung Japans in den Griff zu bekommen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat das Land den höchsten Schuldenberg aller Industrienationen aufgetürmt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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