Reformcheck Krisenländer (Teil 2)
Spaniens Achillesferse

Mit seinen radikalen Reformen ist Spanien der Musterschüler unter den Krisenländern. Doch das Land kämpft mit der enormen Arbeitslosigkeit. Die entscheidende Frage ist: Wie schnell geht die Wirtschaft auf Wachstumskurs?
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MadridEnde September brachte die Arbeitsministerin Fatima Báñez das jüngste Reformgesetz ihrer Regierung ins Parlament ein: eine umfassende Rentenreform. Schon ab dem nächsten Jahr sollen Pensionszahlungen an die Einnahmen des staatlichen Rentensystems gekoppelt werden. Ab 2019 würde beim Renteneintritt zudem ein sogenannter „Nachhaltigkeitsfaktor“ angelegt, der die Rente an die Lebenserwartung angleicht. „Die spanische Regierung scheint bereit für eine ambitionierte Rentenreform – in starkem Gegensatz zu Frankreich“, lobt Christian Schulz von der Berenberg Bank. Die Reform soll in den nächsten Wochen mit den Sozialpartnern verhandelt und bis Jahresende mit der absoluten Regierungsmehrheit verabschiedet werden.

Es wäre nicht das erste große Werk, das die konservative Regierung von Premier Mariano Rajoy seit ihrem Amtsantritt Ende 2011 auf den Weg gebracht hat. Das mit Sicherheit wichtigste Gesetz, das seitdem verabschiedet wurde, ist die Arbeitsmarktreform. Denn der Arbeitsmarkt ist Spaniens Achillesferse. In bisher jeder Wirtschaftskrise der vergangenen Jahrzehnte schnellte die Zahl der Jobsuchenden auf 20 Prozent oder mehr in die Höhe. Dies wirkt als Krisenbeschleuniger, da die hohe Arbeitslosigkeit die Sozialausgaben hochtreibt und den Binnenkonsum kollabieren lässt.

Die Arbeitsmarktreform wurde gut ein Jahr nach der Einführung gerade einer umfangreichen Prüfung unterzogen. Wenig überraschend kam das Arbeitsministerium zu dem Schluss, dass die Reform im privaten Sektor den Arbeitsplatzabbau während der Rezession abgeschwächt habe. Die Rezession und auch der Jobabbau im öffentlichen Sektor hätten die Arbeitslosigkeit trotzdem auf Rekordhöhen von mehr als 27 Prozent getrieben. Doch ohne die Reform wären noch mehr Spanier ohne Job, argumentieren die Experten im Arbeitsministerium. In dem nun hoffentlich einsetzenden langsamen Aufschwung werde die Reform ihre positive Wirkung entfalten – die sich jetzt schon im noch kleinen, aber schnell wachsenden Exportsektor zeige.

Zweifellos hatte die Reform eine Reihe positiver Effekte. Die Liberalisierung ließ zunächst die Arbeitskosten schneller sinken. Zwischen dem ersten Quartal 2012 und dem ersten Quartal 2013 sanken die Lohnstückkosten laut OECD um 3,2 Prozent, mehr als in jedem anderen entwickelten Land.

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  • "Wie soll ein Land wettbewerbsfähig sein in dem man 11 Monate arbeitet aber 14 gesetzliche Gehälter zahlen muss.
    Im Monat August ist das ganze Land wegen kollektiven
    Urlaub geschlossen. Da gibt es keine Produktion, Umsatz, Zahlungen etc. nur die Kosten laufen weiter."

    Nunja, die Arbeitsmarktreform ist durch. Es gibt diese Abfindungen nicht mehr.
    Im August ist hier, wo ich lebe, Hochbetrieb. Es gilt in Spanien nicht alles überall in Spanien :)
    Ansonsten stehen viele in den Startlöchern, Firmen könnten sofort anfangen wenn es Bankkredite geben würde. Viele Häuser müssen renoviert werden, aber selbst ein bezahltes Haus und die Rente von der Oma reicht den Banken zur Zeit nicht.
    Das ist zur Zeit eines der größten Probleme.

  • Man möge bedenken, dass nicht das Überleben der Wirtschaft auf diesem Planeten im Vordergrund stehen darf, sondern der Fortbestand des Lebens.
    Wirtschaft ist ein Kunstgebilde, entstanden in gierigen, kranken Gehirnen. Dabei geht es nur um Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf Verluste. Alle beteiligten können dabei auf Dauer nur verlieren.
    Darum ist es wichtig, wirtschaften durch tatkräftiges Handeln zu ersetzen. Nur so kann der Wohlstand für alle noch gesichert werden. Tatkräftiges Handeln bedeutet fleißiges und zielgerichtetets Schaffen, ohne dafür entlohnt zu werden. Jeder leistet seinen Beitrag zur Gesellschaft und hat den vollen Nutzen.

  • Wettbewerbsfähigkeit:
    Die Krise in Spanien ist ein Mentalitätsproblem. Ich lebe hier in Spanien und kenne die Verhätnisse sehr gut. Selbst
    hochdotierte Wirtschaftsprofessoren verwechseln immer den
    Begriff Wettbewerbsfähigkeit mit Produktivität. Mit Lohnkürzungen kann man zwar die Lohnstückkosten senken
    und die Wettbewerbsfähigkeit etwas erhöhen aber nicht die
    Produktivität verbessern. Bei der internen Abwertung wird die Kaufkraft gesenkt, während die Preise hoch bleiben, so etwa bei Mieten etc. Das kann nicht lange gut gehen. Während die Nordländer weiter an der
    Produktivitätsschraube drehen, senken die Spanier die
    Löhne. In ein paar Jahren geht dann die Wettbewerbsschere wieder weiter auseinander und eine neue Krise ist da. Die Arbeitsqualität, besonders im Handwerk lässt sehr zu wünschen übrig. Bei den Industrieprodukten stimmt meistens das Preis-Leisungs-Verhältnis nicht. Italien hat grossartige Markenprodukte. Ich kenne keine in Spanien gefertigte
    Markenprodukte. Langjähriges Marketing ist nicht die
    Spezialität der Spanier, die können nur auf billig und viel. Wenn das Land nur dank Lohnkürzungen überleben kann, dann möchte mir mal jemand erklären, warum die
    Schweiz mit den höchsten Löhnen zugleich auch das produktivste Land der Welt ist. Wie passt das zusammen.

    Ein grosser Teil der Arbeitslosigkeit ist hausgemacht. Kleinere Firmen hätten gute Chancen zum Überleben, wenn sie einige Arbeitneher entlassen könnten. Viele kleine Firmen können sich einfach die hohen gesetzlichen Abfindungen nicht leisten, also wursteln sie weiter bis zum bitteren Ende was dann die Insolvenz bedeutet und alle Mitarbeiter arbeitslos werden läßt.

    Wie soll ein Land wettbewerbsfähig sein in dem man 11 Monate arbeitet aber 14 gesetzliche Gehälter zahlen muss.
    Im Monat August ist das ganze Land wegen kollektiven
    Urlaub geschlossen. Da gibt es keine Produktion, Umsatz,
    Zahlungen etc. nur die Kosten laufen weiter.
    Es bedarf noch vieler Reformen.

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