Reformen greifen nicht
Kubas Wirtschaft pfeift aus dem vorletzten Loch

Vor gut zwei Jahren kündete Kubas Staatschef Raúl Castro "strukturelle Veränderungen" und Reformen in der Wirtschaft an. Mit ein bisschen mehr Kapitalismus im Kommunismus sollte alles besser, die Produktivität erhöht und ein Ausweg aus der chronischen Krise gefunden werden. Doch das Gegenteil ist der Fall. Warum die Reformen nicht greifen.

MEXIKO-STADT. Im Sommer 2009 steht Kuba so schlecht da wie seit 15 Jahren nicht mehr. Die Insel durchlebt eine Zeit mit Einsparungen, ähnlich den Neunziger Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Dieses Mal wird die Krise durch eine Devisenknappheit im Zusammenhang mit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und der Verteuerung der Lebensmittel ausgelöst. Hinzu kommen die Folgen dreier zerstörerischer Hurrikans, die Schäden in Höhe von knapp zehn Mrd. Dollar oder 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verursacht haben. Hausgemachte Probleme wie die zögerliche Umsetzung der Reformen tun ihr Übriges. Das kubanische Bruttoinlandsprodukt wächst nach Voraussagen der Uno-Wirtschaftskommission Cepal in diesem Jahr um ein Prozent. Die Regierung in Havanna selbst senkte die Wachstums-Prognose von sechs auf 1,7 Prozent.

Das Volk spürt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Alltag. Denn auf den ohnehin knapp bemessenen Lebensmittelkarten wurden die Rationen für Bohnen und Salz reduziert. Die Ernte von Zitrus- und anderen Früchten brach in den vergangenen Jahren um bis zu 50 Prozent ein. Im Paradies der Mangos, Ananas und Guayabas muss das Obst für die Produktion von Marmelade und Saft importiert werden. Insgesamt kauft die Karibikinsel 80 Prozent ihrer Lebensmittel im Ausland ein. Denn mehr als die Hälfte der 6,5 Mio. Hektar Ackerland liegt weiter brach, auch weil die von Castro angekündigte Zuteilung des Landes an Kleinbauern stockt. Für den Nahrungsmittelkauf im Ausland muss die Regierung rund zwei Mrd. Dollar aufwenden. Geld, das kaum noch vorhanden ist. Zudem werden seit Wochen sowohl die Stromversorgung als auch der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt. Fabriken arbeiten nur halbtags, um Strom zu sparen. Auf Kuba tätige internationale Unternehmen berichten von Zahlungsverzögerungen. Bankkonten sind eingefroren.

Auch die Hoffnung auf mehr Privatinitiative hat sich nicht erfüllt. So ging der Staat kürzlich gegen Autobesitzer vor, die für ein kleines Geld Anhalter mitnahmen und so halfen, das Transportproblem zu entschärfen. An dem kleinen privaten Wirtschaftszweig wollte der Staat mitverdienen und verordnete Lizenzen. Da diese den meisten Autobesitzern jedoch zu teuer waren, stellten sie ihren Fahrdienst ein.

Einen Lichtblick bietet das neuerliche Anziehen der Weltmarktpreise für die wichtigsten Exportgüter der Insel, Nickel und Zucker. Der Preis für das Metall, das 56 Prozent der kubanischen Exporte ausmacht, war Anfang des Jahres dramatisch gefallen. Mittlerweile hat sich der Preis erholt und notiert wieder auf dem Vorjahresniveau. Ähnlich sieht es mit dem Zuckerpreis aus.

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