Reformen in China
Qualität statt Quantität – nur wie?

Sie werden wieder alle anreisen. Viele von weither, manche in ihren bunten Trachten. Auch dieses Jahr werden sie geduldig den Reden lauschen, kräftig applaudieren und schließlich bei den Abstimmungen brav den einen Knopf drücken.

PEKING. In China tagt ab Sonntag der Volkskongress. Das nicht vom Volk gewählte Parlament, das sich einmal im Jahr in der Hauptstadt treffen darf. Immer Anfang März, alles genau nach Plan eben. Alles so wie immer.

So wird es wenig Überraschungen geben, wenn die knapp 3 000 Parlamentsmitglieder am kommenden Sonntag in der großen Halle des Volkes ihre diesjährige Sitzung eröffnen. Dabei wird dieses Jahr während der einwöchigen Sitzung vielleicht ein Stück chinesischer Geschichte geschrieben. Mit dem neuen Fünfjahresplan (2006–2010) stellen die Delegierten die Weichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Damit werde China ein „neues Kapitel“ aufschlagen, schreiben bereits Hongkonger Zeitungen.

Denn der 11. Fünfjahresplan soll eine Wende bringen. Weg vom gierigen Ressourcenverschwender, hin zu einem verantwortlichen Öko-Reich. Weg vom Boom ohne Grenzen, hin zu einem ausgewogenerem Wachstum. Raus aus der Ecke der billigen Massenproduktion, hin zu einem innovativen High-Tech-Land. Weg von der dramatischen Ungleichheit zwischen Arm und Reich, hin zu einer gerechteren Verteilung des Wohlstandes. Qualität statt Quantität, heißt das neue Motto. Und das in allen Bereichen.

„Chinas Wachstumsmodell muss sich grundlegend ändern“, sagt Li Lianzhong, Ober-Volkswirt des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (KP). Und wenn der Drache erwacht, erzittert das ganze Reich. Nach Ansicht von Jun Ma, Volkswirt der Deutschen Bank in Hongkong, werden „die kommenden fünf Jahre wahrscheinlich eine der intensivsten Reformphasen“ in Chinas neuerer Entwicklung bringen. Vor allem der Ausbau des Dienstleistungsbereiches wird seiner Ansicht nach künftig zum Motor für Chinas Wachstum.

China könne dabei aber nicht einfach den Weg gehen wie andere Industriestaaten, meint Li Daokui, Chef des World Economy Research Centers der Tsinghua-Universität in Peking. Wenn China mit heute 1,3 Milliarden Einwohnern anstrebe, irgendwann einmal so viel zu konsumieren wie andere Wirtschaftsmächte, könnten selbst alle Vorkommen der Welt nicht für Nachschub sorgen. „Das ist simple Mathematik.“

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