Reformen in der Volksrepublik
Wie eine stille Bauernrevolte China veränderte

Es war eine Revolution im kleinen Maßstab: Vor dreißig Jahren privatisierte ein chinesisches Dorf seine Agrarflächen - damals ein Verbrechen. Jetzt sollen die Bauern für das ganze Land zum Vorbild werden.

PEKING. Feucht liegt die frische Herbstluft über Xiaogang. So wie vor 30 Jahren, als Yan Junchang mit den anderen Bewohnern des kleinen chinesischen Dorfs zu einem wichtigen Treffen zusammenkam. Der junge Yan gehörte zu einer Gruppe von 18 Bauern, die Ende November 1978 in der ostchinesischen Provinz Anhzui einen geheimen Plan schmiedete, der nicht nur das Leben in Xiaogang, sondern ganz China verändern sollte.

Die Dorfgemeinschaft vereinbarte, das Land der Kommune künftig in privater Regie zu beackern. Im Land der Agrar-Kommunen, wo aller Grund und Boden zudem dem Staat gehört, ein ungeheuerlicher Akt. Und da der Pakt von Xiaogang illegal war, vereinbarten die Bauern auch, dass sich ihre Familien gegenseitig unterstützen müssten, sollte das kapitalistische Experiment auffliegen und einer von ihnen im Gefängnis landen.

Doch statt im Gefängnis landete die Gruppe aus Xiaogang in den Geschichtsbüchern. Denn die kleine Bauern-Revolte war ein Erfolg: Bereits im Folgejahr stieg die Weizenernte des Dorfes von 15 auf 90 Tonnen. "Das erste Mal seit Jahrzehnten war es uns möglich, uns selbst zu ernähren", erinnert sich Yan Junchang.

Die Bauern von Xiaogang hatten ihr Schicksal in die eigene Hand genommen, da sie nicht mehr ständig gegen den Hunger kämpfen wollten. Ihre Familien zogen bettelnd durch die Gegend statt zur Arbeit auf die Felder. Nur mit Eigeninitiative, ist der heute 68-jährige Yan Juncheng noch immer überzeugt, könne man die Menschen zu Leistung bringen.

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