Reformen: Kuba entlässt 500 000 Beamte

Reformen
Kuba entlässt 500 000 Beamte

Eingeständnis des Scheiterns: Kuba, das die seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion größte Wirtschaftskrise durchlebt, macht ernst mit Reformen. Bis März kommenden Jahres setzt die Regierung 500 000 Bedienstete in Ministerien und Staatsbetrieben auf die Straße, die sie nicht länger bezahlen kann.
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MEXIKO-STADT. "Der Staatshaushalt ist nicht mehr in der Lage, die aufgeblähten Belegschaften zu finanzieren", heißt es in einer Erklärung der kubanischen Gewerkschaft CTC, die in mehreren Zeitungen veröffentlicht wurde. Zudem hätten die großen Belegschaften "einen kontraproduktiven Effekt und führten zu schlechten Resultaten". Als Ausgleich erlaubt die Regierung wesentlich mehr privatwirtschaftliche Aktivität in der Landwirtschaft und dem Dienstleistungssektor. Zudem werden mehr staatsferne Kooperativen zugelassen. Auch internationale Investoren erhalten mehr Rechte bei der Pacht von Staatsgrund, wie CTC bekräftigte.

Eingeständnis des Scheiterns

Die angekündigten massiven Entlassungen sind ohne Beispiel und das Eingeständnis, dass das kubanische Wirtschaftsmodell mit dem alles regulierenden Staat nicht funktioniert. Auf der Karibikinsel arbeiten 95 Prozent der Beschäftigten in Staatsbetrieben bei zumeist geringer Produktivität, da die Arbeiter kaum Lust haben, für einen Lohn von 15 Euro im Monat zu schuften. Von 5,1 Millionen Beschäftigten auf Kuba arbeiten lediglich rund 148 000 in einigen Berufszweigen auf eigene Rechnung, beispielsweise in der Gastronomie.

Die Karibikinsel durchlebt derzeit die größte Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Infolge der globalen Finanzkrise, fallender Rohstoffpreise und der zweistelligen Milliardenschäden durch drei Wirbelstürme vor zwei Jahren ist ein Haushaltsdefizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufgelaufen. Das Land kann weder Kredite zurückzahlen noch all die Lebensmittel im Ausland einkaufen, die es braucht, um die Bevölkerung ernähren zu können. Die Ausgaben für Importe von Nahrungsmitteln und anderen Bedarfsgütern mussten 2009 schon um ein Drittel auf 1,5 Mrd. Dollar gekürzt werden.

Zudem arbeitet kaum ein Staatsbetrieb rentabel, die Ernten sind schlecht, die Weltmarktpreise niedrig, die Schulden hoch und die Wirtschaftspartner klamm. Dementsprechend schlecht ist die Versorgungslage vor allem für die Kubaner, die keine Devisen haben und auf das Bezugsheft und die staatlichen Geschäfte angewiesen sind. Die Reformen sollen jetzt den entlassenen Arbeitern neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und zugleich die Produktivität der Planwirtschaft steigern. Vor allem Obst und Gemüse können nun auf eigene Rechnung angebaut und verkauft werden. Kubaner können Geschäfte betreiben.

Ende vergangener Woche hatte Kubas Ex-Präsident Fidel Castro in einem Interview zugegeben, dass das kubanische Modell nicht funktioniere. Zwei Tage später aber nahm er seine Aussage gegenüber dem US-Magazin "The Atlantic" und der New Yorker Kuba-Expertin Julia Sweig zurück. Die Interviewer hätten ihn zu wörtlich genommen, so der 84-Jährige. In Wahrheit habe er gemeint, der Kapitalismus sei am Ende. Dann kommt es aber überraschend, dass sein Bruder Raúl als Präsident Kubas kurz danach massive marktwirtschaftliche Reformen beschließt.

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  • Arme Kubaner,
    so ein nettes Volk mit viel Sinn für Familie und einem meist gesunden Herzen.

    Aber, von dieser Aktion können wir einiges lernen,
    denn auch unser Staat krankt an einem enormen Übermaß beamtenstand.
    beamte machen Karriere im Dienst,
    jeh mehr Stellen sie für ihren eigenen Stand neu schaffen, desto weiter kommen sie auf der Karriereleiter.

    Sie pressen das eigene Volk dem sie dienen bis auf's letzte Hemd aus,
    saugen in bösartiger Absicht parasitär an Deutschlands vermeintlich prall gefüllter brust.

    Und als wäre das nicht schon genug kriminelle Energie, behandeln sie die in deren Dienst sie eigentlich stehen, von oben herab,
    spucken auf die bürger, und fühlen sich noch im Recht, in ihrem unkündbaren Status wie Könige,
    bei prall gefüllter Lohntüte und üppigster Pension,
    lassen sie wichtige Dinge schleifen,
    und quälen das schöne Deutschland mit immer neuen Regularien, missachten ganz bewusst und ohne Gewissen Freiheitsrechte.

    Die bürokratie ist unser aller Alptraum geworden,
    ein ungebremst wachsendes Krebsgeschwür in einem sonst gesunden Körper.

    ich verallgemeinere hier stark, zugegeben,
    aber wer kennt es nicht, durch die bank ungerecht behandelt zu werden,
    und das auch noch mit einer verachtend arroganten Art von oben herab.

    Sicher einige von ihnen brauchen wir,
    wie Polizei,Jugendamt,Gesundheitsamt...
    Der Rest kann mir gestohlen bleiben,
    weg damit, erspart uns die schlimmen Lasten der Pensionsverpflichtungen, die unsere Kinder und Kindeskinder in tiefste Schuldentäler stürzen.

    Entlasst die Hälfte, und selbst das wäre noch zu wenig.

    Schafft endlich rückwirkend diesen ganzen Stand ab, und streicht ihre Pensionen.

    MfG

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