Reformen sollen Wirtschaftswachstum ankurbeln
Auslandsinvestoren halten sich bedeckt

Zehn Jahre nach dem Amtsantritt einer von Schwarzen geführten Regierung schrecken viele Anleger noch immer vor einem langfristigen Engagement am Kap zurück. Seit 1994 belaufen sich die Auslandsinvestitionen im Schnitt pro Jahr nur auf 2,2 Milliarden Dollar.

wd KAPSTADT. Die vermeintliche Gewissheit, ihr Geld sei anderswo besser aufgehoben, trägt dazu bei, dass die Wirtschaft am Kap seit dem Ende der Apartheid durchschnittlich nur um 2,8 % gewachsen ist und damit gerade einmal die Bevölkerungszunahme von rund 2 % kompensiert hat. Dabei hat die Regierung einige weit reichende Reformen unternommen: Die einst von hohen Zoll- und Tarifschranken geschützte Wirtschaft ist geöffnet worden. Auch hat sich das Wort Finanzdisziplin fest im regierungsamtlichen Jargon etabliert: Mit gutem Grund rühmt sich Finanzminister Trevor Manuel damit, dass sein Land die Maastricht-Kriterien heute leichter als einige EU-Mitgliedstaaten erfüllen würde.

Aber auch Inflation und Zinsen befinden sich auf historischen Tiefständen. Dank seiner strikten Finanzpolitik steht das Land bei den internationalen Ratingagenturen seit längerem hoch im Kurs. Ausgerechnet dieser Erfolg hat den Druck auf die Wirtschaft erhöht: Wegen des starken Zustroms kurzfristiger Anlagegelder („hot money“), die sofort wieder abgezogen werden können, und der weltweit hohen Nachfrage nach den am Kap geförderten Edel- und Grundmetallen hat der südafrikanische Rand in den vergangenen beiden Jahren kräftig zugelegt: Gegenüber dem Dollar konnte er rund 70 % gewinnen, gegenüber dem Euro im gleichen Zeitraum fast 40 %. Das Erstarken der Währung ist zu einem Härtetest für Südafrikas Exporteure geworden, allen voran die großen Minenkonzerne, die noch immer das Rückgrat der Wirtschaft bilden. Aber auch der Fremdenverkehr bekommt die feste Lokalwährung zunehmend zu spüren.

Obwohl ein Gutteil der Probleme von außen ins Land getragen wird oder der Vergangenheit entstammt, ist der regierende ANC an der Investitionsmisere nicht schuldlos. So ist die Privatisierung von Staatsbetrieben praktisch zum Erliegen gekommen. Hinzu gesellt sich der Widerstand der mächtigen Gewerkschaften, die gegen fast alle Vorhaben Sturm laufen, weil sie Massenentlassungen und einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit befürchten, die bereits jetzt bei über 40 % liegt.

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