Reformen
USA machen Karsai Druck

Misstrauen vergiftet das Verhältnis zwischen dem afghanischen Präsidenten und dem Westen. Washington und Berlin fordern nun Vorleistungen. Kabul weist die Kritik zurück. Sollte Afghanistans Präsident Hamid Karsai nicht einlenken, könnten ihn die westlichen Regierungen abstrafen - und ihre Strategie überdenken.
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BERLIN, WASHINGTON. Kurz vor der Vereidigung von Hamid Karsai für eine zweite Amtszeit als Afghanistans Präsident wachsen die Spannungen zwischen Kabul und dem Westen. Weil man der Reformwilligkeit Karsais misstraut, will sich die US-Regierung jetzt sogar ein Einspruchsrecht bei der Besetzung von Ministerposten sichern, heißt es aus diplomatischen US-Kreisen. Ein solcher Eingriff würde eine Abkehr von der bisherigen Linie bedeuten, die afghanische Führung schrittweise mehr in die Verantwortung zu nehmen.

Auch die Bundesregierung will ihre Hilfen für Afghanistan künftig noch stärker an Bedingungen knüpfen, sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gestern im Bundestag. Karsai müsse seinen Worten jetzt Taten folgen lassen.

Uno fordert Reformen ein

Der Streit reicht inzwischen so weit, dass derzeit als unklar gilt, ob hochrangige westliche Vertreter zur für den 19. November geplanten Amtseinführung nach Kabul kommen. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte zudem bei ihrem Treffen mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin zurückhaltend auf den Vorschlag Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands reagiert, eine neue internationale Afghanistan-Konferenz einzuberufen.

Das Außenministerium in Kabul hatte bereits am Wochenende ungewöhnlich harsch auf eine Forderungsliste der Uno reagiert. Der Leiter der Mission in Afghanistan, Kai Eide, hatte Karsai vor dem Verlust der westlichen Unterstützung gewarnt, sollte der Präsident weiterhin vor überfälligen Reformen - insbesondere bei der Bekämpfung der Korruption - zurückscheuen. Das afghanische Außenministerium bezeichnete diese Äußerungen als "Verletzung des Respekts der nationalen Souveränität Afghanistans". Zudem überschritten sie internationale Normen.

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