Reformpläne
Barroso hält Ängste vor Euro-Einlagensicherung für übertrieben

José Manuel Barroso kritisiert eine Kampagne der Sparkassen, die vor einer neuen Einlagensicherung warnen. Der EU-Kommissionspräsident sieht Kleinstaaterei als Bedrohung - und fordert eine große Lösung.
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FrankfurtEU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat eine Anzeigenkampagne deutscher Sparkassen und Genossenschaftsbanken gegen eine europäische Einlagensicherung kritisiert. "Diese Ängste sind total übertrieben und haben mit unseren Vorstellungen nichts zu tun", sagte Barroso der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Pläne der Europäischen Kommission sähen nicht vor, mit den Spareinlagen der Deutschen diejenigen der Spanier absichern. "Das ist undenkbar", sagte Barroso. Es gehe ihm vielmehr um eine europäische Dimension bei der Spareinlagen-Sicherung.

Die Kommission hatte am Mittwoch Pläne für eine sogenannte Bankenunion vorgestellt. Geplant ist eine gemeinsame europäische Aufsicht für die Banken der Europäischen Union, angesiedelt bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Daneben sollen gemeinschaftliche Regelungen für die Sanierung und Abwicklung von Banken entwickelt werden. Geplant ist auch eine europäische Regelung zur Einlagensicherung. Über die umstrittenen Pläne diskutierten am Samstag die EU-Finanzminister bei ihrem Treffen in Zypern. Deutschland sieht die Vorschläge der Kommission sehr kritisch.

Barroso sagte der "FAS", erst wenn die Pläne für eine gemeinsame Bankenaufsicht verabschiedet seien, werde es einen Vorschlag zur Einlagensicherung geben. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hatten sich am Donnerstag in einer bundesweiten Anzeigenkampagne gegen eine europäische Einlagensicherung gewandt. Eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung "würde eine Verminderung des Schutzniveaus für unsere Kunden bedeuten", kritisierten die Geldinstitute.

Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Banken haben jeweils eigene Sicherungssysteme. Bei den Sparkassen garantiert ein Haftungsverbund aus elf regionalen Sicherungsfonds für die Kundengelder. Bei den Genossenschaftsbanken übernimmt die Sicherungseinrichtung des BVR diese Rolle. Bei den privaten Banken sichert die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken Spareinlagen bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Höhe von 100.000 Euro. Der Einlagensicherungsfonds steht für darüber hinaus gehende Beträge ein, aber nur bei Kunden von Banken, die Beiträge in diesen Topf einzahlen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Reformpläne: Barroso hält Ängste vor Euro-Einlagensicherung für übertrieben"

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  • Sehr gut formuliert! Und wir sollten Barroso richtig verstehen. Er hält zwar die Ängste vor der Euro-Einlagensicherung für übertrieben, aber nicht für unbegründet!!!

  • Läuft es letztendlich doch so:
    Sind das jetzt schon die Vorbereitungen?

    Wenn die Börsenkurse fallen,
    regt sich Kummer fast bei allen,
    aber manche blühen auf:
    Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

    Keck verhökern diese Knaben,
    Dinge, die sie gar nicht haben,
    treten selbst den Absturz los,
    den sie
    Leichter noch bei solchen Taten
    tun sie sich mit Derivaten:
    Wenn Papier den Wert frisiert,
    wird die Wirkung potenziert.

    Wenn in Folge Banken krachen,
    haben Sparer brauchen - echt famos!
    nichts zu lachen,
    und die Hypothek aufs Haus
    heißt, Bewohner müssen raus.

    Trifft's hingegen große Banken,
    kommt die ganze Welt ins Wanken -
    auch die Spekulantenbrut
    zittert jetzt um Hab und Gut!

    Soll man das System gefährden?
    Da muss eingeschritten werden:
    Der Gewinn, der bleibt privat,
    die Verluste kauft der Staat.

    Dazu braucht der Staat Kredite,
    und das bringt erneut Profite,
    hat man doch in jenem Land
    die Regierung in der Hand.

    Für die Zechen dieser Frechen
    hat der Kleine Mann zu blechen
    und - das ist das Feine ja -
    nicht nur in Amerika!

    Und wenn Kurse wieder steigen,
    fängt von vorne an der Reigen -
    ist halt Umverteilung pur,
    stets in eine Richtung nur.

    Aber sollten sich die Massen
    das mal nimmer bieten lassen,
    ist der Ausweg längst bedacht:
    Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.

    Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne

  • @Curley
    Wenn ich nicht in GR leben würde, könnte ich Sie verstehen. Es ist ja tatsächlich so, dass alles Geld zu den Banken fließt und nicht in die betroffenen Länder.
    Aber als die Retterei losging, sah ich im griech. TV die Regierungspolitiker einschließlich der Opposition. Und ALLE waren stolz darauf, der EU die Pistole auf die Brust gesetzt zu haben, ein Ritual der Stärke sozusagen. Sie haben die EU erpresst, indem sie sagten „schmeißt uns doch raus, ihr werdet schon sehen, was passiert1 IHR geht mit uns unter!“
    WAS hätten SIE gemacht? Vor diesem Hintergrund finde ich es total ok, wenn die Hilfen „nur“ aus der Übernahme der Auslandsverbindlichkeiten bestehen. So wurden nach und nach die meisten „Seile“ gekappt und das Erpressungspotential nahm ab. Inzwischen ist ein Grexit handlebar.

    Eigentlich wäre es ja auch noch schöner, wenn wir mit unseren Minijobs und unserer Zeitarbeit auch noch die überzogenen Löhne nebst Zulagen der griechischen Beamten finanzieren würden.
    Mir wäre es lieber gewesen, es flösse keine Hilfe. Vor allem für das griechische Volk sind die Hilfen eine arge Quälerei, denn sie verhindern die Reform.
    Und Banken müssen und können ruhig auch mal pleite gehen, wenn sie sich verzocken. Das konnten wir leider nicht durchsetzen.
    Aber WENN sie schon fließt, dann sollen damit bitte wenigstens nur die Auslandsverbindlichkeiten bezahlt werden.

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