Regierung beschließt Reform
Italien setzt im Schulreform-Streit auf Härte

Trotz fortdauernder landesweiter Proteste von Schülern, Studenten und Eltern hat das italienische Parlament eine Schulreform mit Milliarden-Einsparungen verabschiedet. Die Regierung von Silvio Berlusconi zeigte sich zufrieden. Die linke Opposition kündigte Widerstand gegen die Umsetzung der Reform an.

HB ROM. Der Senat votierte am Mittwoch in der Schlussabstimmung mit 162 Stimmen für die umstrittene Bildungsreform, mit der unter anderem auch der so genannte Einheitslehrer - der eine Klasse anstelle verschiedener Fachlehrer alleine unterrichtet - in den Grundschulklassen wieder eingeführt wird. 134 Senatoren stimmten gegen das Gesetz der 35-jährigen Bildungs- und Forschungsministerin Mariastella Gelmini, drei enthielten sich. Die Regierung von Silvio Berlusconi hat im Parlament eine klare Mehrheit. „Jetzt kehren Ernsthaftigkeit und Erziehung in die Schulen zurück“, sagte die Ministerin nach dem Votum.

Die linke Opposition kündigte Widerstand gegen die Umsetzung der Reform an, die vor allem auch den Abbau von bis zu 130 000 Lehrer- und Verwaltungsstellen in den kommenden Jahren mit sich bringen soll. Unterdessen hielten die Demonstrationen gegen die Reform an. Auch vor dem Senatsgebäude in der Hauptstadt protestierten während und nach der Abstimmung im Senat Schüler und Studenten gegen die Einsparungen. Auf der zentralen Piazza Navona kam es zu Zusammenstößen zwischen Studenten aus dem rechten und dem linken Lager.

Die Jugendlichen seien unter anderem mit Stühlen und Tischen der umliegenden Cafés aufeinander losgegangen, berichteten Medien. Viele Touristen flüchteten von der weltberühmten Piazza, während die Polizei versuchte, die Kontrahenten zu trennen. Einige in die Schlägerei verwickelte Demonstranten wurden mit Polizeiautos weggebracht, hieß es. „Wir rufen alle Demonstranten dazu auf, nicht Berlusconis Spiel zu spielen, der es gerne sieht, wenn wir uns streiten, um dann unsere Proteste verurteilen zu können“, teilten Schüler-Organisationen mit.

Konkret dreht es sich bei dem Streit um zwei Reformen - die der Grundschulen und die der Universitäten. Neben den Einsparungen und dem Wegfall Zehntausender Posten soll in den Grundschulen nach den Plänen Gelminis wieder ein einziger Lehrer statt verschiedener Fachlehrer unterrichten. Zudem sollen die Kinder wieder einen Schulkittel tragen und Betragensnoten erhalten. Auch an den Hochschulen wird der Rotstift angesetzt - Resultat sind immer weniger Dozenten.

Große Teile der Regierungskoalition setzten darauf, dass die Proteste mit der Verabschiedung der Bildungsreform zu Ende gingen, meinte die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ am Mittwoch. Für diesen Donnerstag haben die Gewerkschaften einen Generalstreik in den Schulen und Universitäten ausgerufen. Am vergangenen Samstag hatten in Rom Hunderttausende von Menschen an einer Großdemonstration der Opposition gegen die Politik der Regierung Berlusconi teilgenommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%