Regierung dementiert möglichen Rücktritt Campbells
Hälfte der Briten hält Blair für einen Lügner

Der Druck auf den britischen Premier wächst: Die Kelly-Affäre hat die Debatte um die Irak-Kriegsgründe noch verschärft, Blairs Umfragewerte sind mittlerweile verheerend. Und jetzt will offenbar auch noch sein mächtiger Kommunikationschef und „Fädenspinner“ Alastair Campbell das Weite suchen.

rtr/dpa LONDON. In Großbritannien glaubt nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage beinahe die Hälfte der Wähler nicht den Worten des wegen der Irak-Kriegsgründe unter Druck geratenen Premierminister Tony Blair. In der von der Zeitung „Daily Telegraph“ veröffentlichten YouGov Umfrage erklärten, 47 % der Befragten, Blair nicht zu glauben. Seiner Regierung wird vorgeworfen, Berichte über den Stand des irakischen Waffenprogramms vor dem Krieg aufgebauscht zu haben. Für vertrauenswürdig halten der Umfrage zufolge nur 24 % der Befragten den Premierminister, während 63 % erklärten, mit Blair unzufrieden zu sein. An der Umfrage nahmen in der Zeit vom 22. bis 24. Juli rund 2 200 Menschen teil.

Die Regierung ist seit Wochen wegen der Debatte um die Irak-Kriegsgründe unter Druck. In der vergangenen Woche hatte dieser noch zugenommen, nachdem sich der Biowaffenexperte David Kelly das Leben nahm. Kelly war dem Rundfunksender BBC zufolge die Quelle für einen Bericht, in dem der Regierung vorgeworfen wurde, Geheimdienstberichte über Iraks Massenvernichtungswaffen übertrieben zu haben. Kritiker werfen der Regierung vor, Kelly in einem nicht hinnehmbaren Maß unter Druck gesetzt zu haben, um den BBC-Bericht zu widerlegen. Blair war während seiner Asienreise in dieser Woche immer wieder mit dem Thema konfrontiert worden, hatte jedoch einen Rücktritt wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Kellys Tod ausgeschlossen.

Diesen schritt erwägt nach Informationen der BBC in dieser für Blair schwierigen Situation dagegen jetzt einer seiner wichtigsten Mitarbeiter: Der BBC-Redakteur Andrew Marr berichtete unter Berufung auf Quellen in der Downing Street, dass Blairs mächtiger Kommunikationschef und „Fädenspinner“ Alastair Campbell dem Premierminister gesagt habe, er wolle gehen, sobald sein Name im Zuge der richterlichen Untersuchung zu den näheren Todesumständen Kellys reingewaschen sei. Seitens der Regierung in London wurde der Bericht am Freitag als „Wunschdenken“ zurückgewiesen.

Marr berichtete, Campbell wolle möglicherweise im Herbst sein Amt niederlegen. Ein Rücktritt vor Ende der Kelly-Untersuchung komme nicht in Frage, weil dies so interpretiert werden könnte, als habe die Regierung etwa falsch gemacht, hieß es. „Ich zweifele nicht im Geringsten daran, dass Alastair Cambell fest entschlossen ist zu gehen, dass dies der Premierminister weiß und dem zugestimmt hat“, sagte Marr. In gleichem Sinne berichtete auch der „Guardian“. Nach seinen Angaben könnte Campbell voraussichtlich im September seinen Hut nehmen.

Die BBC hatte insbesondere Campbell vorgeworfen, das Beweismaterial zur Gefahr durch Saddam Hussein aufgebauscht zu haben. Daraufhin begann ein Wortkrieg zwischen Campbell und dem Sender. Im Zuge der Auseinandersetzungen nahm sich Kelly das Leben.

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