Regierung geht gegen Judenfeindlichkeit vor
Frankreich ärgert sich über Scharon

Die Aufforderung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon an die Juden in Frankreich, das Land wegen des „Antisemitismus“ sofort zu verlassen, hat die Franzosen verärgert. Die Regierung reagierte mit scharfer Kritik.

HB PARIS/JERUSALEM. „Wir haben unverzüglich Kontakt mit den israelischen Behörden aufgenommen, um eine Erklärung für diese inakzeptablen Bemerkungen zu verlangen“, sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums am Sonntag. Scharon hatte bei einer Rede in Jerusalem von „dem wildesten Anti-Semitismus“ in Frankreich gesprochen, dabei der französischen Regierung jedoch bescheinigt, gegen Judenfeindlichkeit vorzugehen.

„Wenn ich unseren Brüdern in Frankreich einen Rat geben muss, werde ich ihnen eins sagen: Zieht nach Israel, sobald wie möglich“, sagte Scharon. „Das sage ich Juden auf der ganzen Welt, aber dort (in Frankreich) ist es ein Muss und sie müssen sofort umziehen.“ Scharon fordert regelmäßig Juden in aller Welt auf, nach Israel umzusiedeln.

Ein Sprecher Scharons betonte später dessen Lob für die Anstrengungen der französischen Regierung im Kampf gegen die Judenfeindlichkeit. Diese gehe darauf zurück, dass es eine große Zahl von Moslems in Frankreich gebe, die Israel gegenüber feindlich eingestellt seien. „Er sagt nicht, dass sie (die Juden) wegen des Anti-Semitismus fliehen sollen, sondern dass dieser mit ein Faktor (für die Auswanderung) sein sollte“, sagte der Sprecher.

Das französische Innenministerium hat im ersten Vierteljahr 2004 67 Angriffe auf Juden oder ihren Besitz und 160 Drohungen registriert, verglichen mit 42 Angriffen und 191 Drohungen im letzten Vierteljahr 2003. In Frankreich leben 600 000 Juden und fünf Millionen Moslems.

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