Regierung in Wien senkt Körperschaftsteuer und ermöglicht Verlustverrechnung über die Grenze hinweg
Österreichs Steuerreform lockt deutsche Investoren

Österreich läutet eine neue Runde im europäischen Steuerwettbewerb ein und zielt damit auch auf Investoren aus dem Nachbarland Deutschland. Ab Anfang kommenden Jahres sinkt die Körperschaftsteuer von derzeit 34 auf 25 und effektiv 21 Prozent. Hinzu kommt eine Reform der Konzernbesteuerung: An die Stelle der bisherigen Organschaftsregelungen soll eine international attraktive Gruppenbesteuerung treten.

HB DÜSSELDORF. Sie wird eine Verlustverrechnung mit späterer Nachversteuerung in Gewinnsituationen über die Grenze ermöglichen. Österreich lässt sich die Unternehmensteuerreform 1,5 Mrd. Euro kosten, rund 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

In der alten, 15 Staaten umfassenden Europäischen Union sei Irland als Steuerstandort zwar noch attraktiver als Österreich, räumte Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Aber sein Land werde „dramatisch attraktiver“ sein als Deutschland, Italien und die meisten anderen Länder. Nur gegen die neuen EU-Mitglieder wird auch Österreich kaum konkurrieren können. Nach Berechnungen des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) beläuft sich die effektive Steuerbelastung für Kapitalgesellschaften in den Beitrittsländern im Schnitt auf 21,3 Prozent, unter Berücksichtigung steuerlicher Investitionsanreize sogar auf nur 15,4 Prozent. Die Slowakei lockt Investoren mit einer Flat-Tax von 19 Prozent, Litauen und Zypern liegen mit 15 Prozent sogar noch darunter.

Dennoch ist Grasser überzeugt, dass seine Steuerreform auch in den Nachbarländern auf Interresse stößt. Als Anreize nennt er neben der Senkung der Körperschaftsteuer und der modernen Gruppenbesteuerung auch die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge von 25 Prozent, attraktive Forschungs- und Entwicklungsanreize und das Stiftungsrecht. Zudem sei Österreich ein idealer Brückenkopf, um auf den osteuropäischen Märkten Fuß zu fassen.

Tatsächlich lasse die österreichische Gruppenbesteuerung den Unternehmen mehr Flexibilität als eine deutsche Organschaft, erklärt Roland Rief, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in Wien. Den entscheidenden Unterschied zum deutschen Recht sieht Rief darin, dass der Unternehmensgruppe nach österreichischem Recht auch ausländische Kapitalgesellschaften angehören dürfen, die ihre Verluste mit österreichischen Gewinnen oder umgekehrt verrechnen können. Nach deutschem Recht können ausschließlich in Deutschland ansässige Kapitalgesellschaften Organgesellschaften sein. Eine Verlustverrechnung über die Grenze hinweg ist nicht möglich. Dieser Vorteil der österreichischen Gruppenbesteuerung erhöht nach Riefs Bewertung die Attraktivität Österreichs als Holdingstandort.

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