Regierung leitet Gewinne aus dem Ölgeschäft in die wankende Wirtschaft
Kasachstan greift Reserven an

Kasachstan könnte Island folgen: Das rohstoffreiche Land ist stark von kurzfristiger Finanzierung von außen abhängig und spürt nun die Schockwellen von der Wall Street. Das Wachstumstempo hat sich bereits halbiert.

MOSKAU. Die Ausläufer der Finanzkrise haben Kasachstan erreicht und zwingen die Regierung, Gewinne aus dem Ölgeschäft in großem Umfang in die Wirtschaft zu pumpen. Die Schockwellen von der Wall Street treffen das rohstoffreiche zentralasiatische Land in einem ungünstigen Moment: Das eigene Finanzsystem stand bereits vor Ausbruch der Turbulenzen auf wackeligen Füßen, weil die Banken ihr rasantes Wachstum vor allem über ausländische Kredite finanziert und sich im heimischen Immobilienbereich verspekuliert hatten.

Kasachstan, das in den vergangenen Jahren versucht hat, neben seiner engen Partnerschaft mit Russland Drähte auch nach USA und China zu spannen, gilt nach einer Schätzung von RBC Capital als eines der Länder, die ein hohes Risiko tragen, dem Beispiel Islands zu folgen. Dort war der Finanzmarkt in Folge der weltweiten Krise implodiert. Kasachstans Wirtschaft sei besonders anfällig, weil sie stark von kurzfristiger Finanzierung von außen abhänge.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres fiel nach Angaben von Unicredit der Gewinn der heimischen Banken um 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Kreditvergabe war im gleichen Zeitraum konstant. Dafür stieg aber die Zahl der seit mehr als 90 Tage überfälligen Verpflichtungen allein im vergangenen Monat kräftig an - von 3,7 Prozent auf 4,2 Prozent. Die Ratingagentur Moody?s hat den kasachischen Bankensektor inzwischen auf "negativ" herabgestuft. Die Branche durchlaufe einen "Überlebenstest", schreiben die Experten.

Von einem IWF-Kredit, um den sich inzwischen auch Weißrussland bemüht hat, will Ministerpräsident Karim Masimow aber dennoch nichts wissen. "Wir haben einen Plan, wie wir ohne Hilfe von außen überleben können", betonte Masimow vergangene Woche. Die Regierung will nun bis Ende des Jahres 15 Mrd. Dollar der Wirtschaft zur Verfügung stellen. Dabei geht sie auch - ähnlich wie Russland - an die Reserven aus dem National Fonds, in dem sie die Gewinne aus dem Öl- und Gasgeschäft sammelt.

Aufgelegt vor acht Jahren ist er inzwischen auf ein Volumen von rund 27 Mrd. Dollar angewachsen - insgesamt hat Kasachstan rund 50 Mrd. Dollar angespart. Der Staat habe daher anders als zum Beispiel die Ukraine oder Island genug "Feuerkraft", um das Bankensystem zu stützen, heißt es bei Goldman Sachs.

In einer langen Fernsehansprache hatte sich zudem Kasachstans autokratisch herrschender Präsident Nursultan Nasarbajew kürzlich an die Bevölkerung gewandt, um die wachsende Unruhe zu besänftigen. Trotz der Krise werde die Wirtschaft "normal" laufen, versicherte er.

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