Regierung will hart gegen Missbrauch vorgehen
China kämpft gegen Spendenbetrug

Das Erdbeben in Südwestchina hat eine so große internationale Spendenbereitschaft ausgelöst wie selten zuvor. Nach Angaben der chinesischen Regierung sind bislang umgerechnet knapp fünf Mrd. Euro als Hilfe für die betroffene Provinz Sichuan eingegangen. Problem: Ein Teil des Geldes versickert in dunklen Kanälen.

PEKING. Fünf Mrd. Euro Hilfe. "Das ist eine gewaltige Summe", sagt Carl Naucler vom Internationalen Roten Kreuz in Peking. Für das Rote Kreuz sei es der "drittgrößte Spendenaufruf seit dem Zweiten Weltkrieg" - nach der Tsunami-Katastrophe (2004) und dem Erdbeben in Pakistan (2005).

Das Erdbeben in Südwestchina hatte im vergangenen Monat rund 70 000 Tote gefordert. Das Rote Kreuz schätzt die Zahl jedoch deutlich höher als die offiziellen Angaben. Mitte Juli will die Hilfsorganisation erneut um Spenden für die Überlebenden bitten. Nach der Notversorgung sei nun psychologische Hilfe sowie ein rascher Wiederaufbau wichtig. Und noch immer sind nach den Worten von Naucler nicht alle betroffenen Dörfer in den Bergen von Sichuan erreicht worden.

Das für China bislang unbekannte Ausmaß an Hilfsbereitschaft sorgt inzwischen jedoch auch für Kritik, vor allem an der Vergabe vor Ort. Es sind schon einige Fälle bekannt geworden, bei denen Spenden unterschlagen oder missbraucht wurden. Das Wohltätigkeitssystem in China "hinkt hinter den vielen Spenden einfach hinterher", räumte selbst Wang Zhenyao, Chef der Katastrophenhilfe vom chinesischen Ministerium für Bürgerangelegenheiten, ein. "Da gibt es noch viel zu verbessern."

Manager bedienen sich

So wurde ein Manager der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) in der vom Beben betroffenen Kreisstadt Mianyang entlassen, da er von Spenden für seine Angestellten 56 Paar Nike-Turnschuhe im Wert von 28 500 Yuan (2700 Euro) kaufte. Auf der Rechnung erschienen Regenjacken für Erdbebenopfer.

Die Regierung hat angekündigt, jeden Missbrauch von Spenden hart zu bestrafen. Das ist im Sinne vieler Chinesen: Im Internet wird dafür oft die Todesstrafe gefordert. Und der Druck der Öffentlichkeit soll erhöht werden. Jeden Monat sollen die gröbsten Spendenmissbräuche im Internet angeprangert werden.

Vor einem Monat wurde ein Gesetz erlassen, wonach der Handel mit Hilfsgütern aus der Bebenhilfe bestraft werden kann. In Sichuan sind bereits 15 Regierungsvertreter deswegen entlassen worden. Auch gegen das chinesische Rote Kreuz kursieren Vorwürfe, Spenden nicht korrekt zu verwenden. So soll ein Vertreter der Organisation gleichzeitig der Repräsentant einer Zeltfabrik in Peking sein, bei der das Rote Kreuz in großem Stil Zelte für Sichuan bestellt hat.

Daher wird inzwischen debattiert, ob sich das Land für Nicht-Regierungsorganisationen stärker öffnen solle. Der Akademiker Tang Hao sprach sich in einer Pekinger Zeitung dafür aus, neben dem Roten Kreuz weitere Hilfsorganisationen zuzulassen. "Ein Monopol erzeugt immer Korruption", warnt Tang.

Die China Red Cross Society bestreitet Fehlvergehen, räumt aber ein, dass es am Anfang der Hilfsaktionen "Probleme" gab. Ein Grund ist, dass die lokalen Rot-Kreuz-Organisationen nicht der nationalen Dachorganisation unterstehen und das National Audit Office somit auch die Helfer im Auftrag der Regierung nicht kontrollieren kann.

Viele deutsche Firmen - etwa Siemens oder Volkswagen - haben ihre Spenden an das Rote Kreuz in China weitergeleitet. Insgesamt haben die in China tätigen deutschen Unternehmen neun Millionen Euro für Sichuan gespendet. Gegeben wurden nicht nur Geldbeträge, sondern auch medizinische Geräte, Medikamente, Wasseraufbereitungsanlagen, Stromerzeuger und Nahrungs- und Transportmittel. Deutsche Firmen wollen zudem acht Schulen im Bebengebiet aufbauen. Das Deutsche Rote Kreuz hat bereits ein Feldhospital aufgestellt, das vom Auswärtigen Amt mit 1,2 Mill. Euro unterstützt wird.

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