Regierung will Helfer nach Dafur einreisen lassen
Frieden im Sudan nicht in Sicht

Sudans islamistische Regierung zeigt sich ungewohnt verhandlungsbereit. Am Montag versprach sie, sich um eine weitere Entschärfung der dramatischen Lage im Grenzgebiet zum Tschad zu bemühen. Ausländische Helfer, denen sie wochenlang den Zugang zur umkämpften Darfur-Region im Westen des Landes versperrt hatte, dürfen offenbar wieder einreisen. Afrikanische Länder rief sie auf, so rasch wie möglich Friedenstruppen in die Region zu entsenden.

KAPSTADT. Die Zeit drängt. In Darfur, etwa anderthalb Mal so groß wie Deutschland, ist es zu einer der gegenwärtig schlimmsten humanitären Krisen gekommen. Uno und Hilfsorganisationen warnen vor einer Eskalation, wenn nicht sofort Hilfe eintrifft. „Ich habe in vielen Ländern Flüchtlingslager kennen gelernt. Aber nirgendwo war die Lage für die Menschen so bedrückend wie in Darfur“, klagt die britische Unicef-Mitarbeiterin Kathryn Irwin.

Der Bürgerkrieg im Westen des Sudans hat alte Wurzeln. Anders als im Südsudan, wo die islamistische Zentralregierung seit 21 Jahren gegen Christen und Animisten vorgeht, kämpfen hier Muslime gegeneinander: Hellhäutige arabische Nomaden sind seit Mitte der achtziger Jahre von der Regierung in Khartum aufgerüstet worden und gehen nun in einem Stellvertreterkrieg gegen die „schwarzen Araber“ vor – gegen die fest ansässigen Stämme der Zagawa, Fur und Masalit. Der Streit um die Weidegebiete in Darfur ist zwar uralt, aber erstmals schlägt er in einen Vernichtungs- und Vertreibungsfeldzug um. Das Muster ist dabei immer das gleiche: Die Regierungsarmee bombardiert die Dörfer aus der Luft, dann fällt die arabische Reitermiliz „Janjaweed“ ein und wütet. Gestern traf es den Ort Nyala.

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie viele Menschen den Massakern zum Opfer gefallen sind. Schätzungen reichen bis zu 30 000 Toten. Mehr Klarheit herrscht über das Ausmaß der Vertreibungen. Nach Angaben einer Uno-Delegation, die vor kurzem in das Gebiet reisen durfte und einen erschütternden Bericht vorlegte, sind in der Darfur-Region rund eine Million Menschen aus ihren Dörfern geflohen. Davon haben über 100 000 in Flüchtlingslagern im Nachbarland Tschad Schutz gesucht. Nach Aussagen der Caritas befinden sich mittlerweile gar bis zu 180 000 Flüchtlinge im Tschad.

Seite 1:

Frieden im Sudan nicht in Sicht

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%