Regierungen legen Industrie lahm
Kalte Zeiten im Osten

Auch wenn Gazprom die Gaslieferung in den nächsten Tagen wieder aufnehmen sollte – die Versorgungslage in Osteuropa wird sich nur sehr langsam normalisieren. Die Situation in Bulgarien, Serbien und der Slowakei, wo mehr als 90 Prozent des Gasbedarfs aus Russland bezogen wird, ist besonders prekär. Einzelne Regierungen haben ihre komplette Industrie bereits stillgelegt. Betroffen sind auch Autohersteller.

WIEN. Wegen des fehlenden russischen Erdgases ruht seit Donnerstag die Produktion in den slowakischen Autofabriken von Peugeot und Kia. Nach Angaben eines Kia-Sprechers soll die Produktionspause in der Slowakei zunächst bis zum Wochenende dauern. „Aber wer weiß schon, ob es am Montag weitergehen wird“, sagte der Kia-Sprecher.

In der kommenden Woche könnte auch das Volkswagen-Werk in der slowakischen Hauptstadt von der Zwangsstilllegung betroffen sein. Am Montag kommen die VW-Beschäftigten aus ihren Weihnachtsferien zurück. Der slowakische Wirtschaftsminister Lubomir Jahnatek forderte Zement- und Ziegelhersteller am Donnerstag dazu auf, ebenfalls über die Einstellung ihrer Produktion nachzudenken. In der Slowakei wie auch in Bulgarien wird inzwischen darüber nachgedacht, abgeschaltete alte Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen.

Bulgarien ist von der Gaskrise besonders hart getroffen – ein Land, das kaum eigene Energiequellen besitzt und stark auf die Lieferungen aus Russland angewiesen ist. Hier müssen nicht nur die Industriebetriebe ihre Arbeit einstellen, der Energiemangel schlägt sich immer stärker im Alltag nieder. In der Hauptstadt Sofia werden öffentliche Verkehrsmittel am Tag nicht mehr beheizt. Die Stadt will damit vor allem Strom sparen. In der Hauptstadt droht auch elektrische Energie knapp zu werden, weil mehr Menschen ihre Wohnungen statt mit Gas jetzt mit Strom beheizen.

Während in Bulgarien die ersten Schulen geschlossen werden müssen, können in Serbien in einzelnen Städten schon Hunderttausende Wohnungen nicht mehr beheizt werden. Serbiens Regierungschef Mirko Cvetkovic bat Russland darum, die Gaslieferungen nach Serbien schnell wieder aufzunehmen.

Wegen der wachsenden Probleme gibt es erste Anzeichen von Solidarität unter den Abnehmerländern. Ungarns Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány kündigte an, dass sein Land Serbien ein bis zwei Millionen Kubikmeter Erdgas bereitstellen will – etwa ein Viertel des täglichen serbischen Bedarfs. Ungarn bezieht bereits erhöhte Strommengen von seinem weniger betroffenen Nachbarn Rumänien, auch Bulgarien könnte bald Strom von den Rumänen bekommen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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