Regierungsgespräche
Monti und Merkel machen auf heile Welt

Die Ergebnisse des EU-Gipfels vergangene Woche hatten Bundeskanzlerin Merkel und ihr italienischer Amtskollege Monti äußerst unterschiedlich gedeutet. Bei einem Treffen im Rom wollen sie von Differenzen nichts wissen.
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RomEigentlich hätte es ein Routinetreffen werden sollen, unter den hohen Gewölben der historischen Villa Madama am Stadtrand Roms. Nach dem EU-Gipfel fünf Tage zuvor in Brüssel konnten sich die bilateralen deutsch-italienischen Regierungsgespräche jedoch nicht nur auf Investitionen und verbesserte Wirtschaftskontakte beschränken.

Doch Merkel und Monti gehen in Gleichklang und Harmonie über die vermeintlichen Knackpunkte hinweg, beschwören beide einen „Geist“ gegen die Euro-Krise. Während draußen um die Villa Madama herum die Zikaden zirpen, ein leichtes Sommerlüftchen weht, bemühen sich die Regierungschefs drinnen um Überzeugungsarbeit, erklären ihre Sicht.

Die von der Bundeskanzlerin vor allem auf Druck des römischen RegierungschEfs gemachten nächtlichen Gipfel-Zugeständnisse hatten nicht nur in Europa die Runde gemacht und für Unruhe gesorgt. Mögliche Euro-Finanzhilfen für Europas Schuldenländer ohne strikte Kontrollen hätten so in der Villa Madama in den Fokus rücken können. Doch beide betonen die Einstimmigkeit der Brüsseler Beschlüsse und zeigen sich „fest entschlossen, die Schwierigkeiten nun gemeinsam zu überwinden.“

Über ihr Image als „eiserne Kanzlerin“ kann Angela Merkel nur lachen, sie lobt die Reformbemühungen Montis im Stiefelstaat, die fortgesetzt werden müssten, betont herzlich die enge Zusammenarbeit der beiden Gründungsländer der Union und großen Volkswirtschaften. „Wir können mehr tun“, meint sie, um dann gut gelaunt kurz 2013, das Wahljahr in Deutschland wie in Italien, zu streifen. Eines will sie ganz klar machen: „Bis jetzt haben wir immer mit Mario Monti eine Einigung gefunden, wo immer das notwendig war.“ Man versteht sich.

Bei dem Pingpong der verblüffenden Einheit von Berlin und Rom gab Monti die Bälle mit Leichtigkeit zurück. „Die Bundeskanzlerin und ich, wir arbeiten sehr gut zusammen“, meint er, spricht die deutsche Wirtschaftsphilosophie der „Sozialen Marktwirtschaft an“

. Es ist für ihn einfach ein Vergnügen, die Kanzlerin wieder empfangen zu können, signalisiert der Wirtschaftsprofessor mit dem Hang zur langen Rede.

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Monti und Merkel machen auf heile Welt

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Monti: Wachstum und Etatdisziplin müssen sich ergänzen

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  • Montis Angst vor Merkels Rache - Teil 2
    ==============================
    Zitat:
    Von Monti wird zu Hause erwartet, dass er möglichst viel in Brüssel durchsetzt, gegen die Kanzlerin. Die Italiener wollen eine Belohnung für ihre Reformanstrengungen. Ansonsten könnte es für Montis Regierung ungemütlich werden, im April 2013 wird gewählt.
    Zitat Ende:

    Die Reformanstregungen haben in Italien schon wieder nachgelassen und Italien hat seit 1990 eine Schuldenquote von 120%. Daran hat sich also nichts geändert.

    Zitat:
    Noch sind die Beschlüsse nicht fixiert. Mit der Umsetzung sind die Euro-Finanzminister beauftragt, die sich Montag treffen. Und schon gibt es Stimmen, die die Zugeständnisse an die Südeuropäer gerne zurückdrehen würden. Die finnische Regierung hat mitgeteilt, dass sie solche Anleihekäufe blockieren werde. Man halte sie nicht für "effizient". Ähnlich kritische Töne sind aus Holland zu hören. (...)
    Nun droht also Monti eine Blockade. Das hat er registriert: "Wir werden versuchen, den Widerstand von Ländern wie Finnland und den Niederlanden zu überwinden, die eine gewisse Intoleranz gegenüber Stabilitätsmechanismen haben."
    Zitat Ende:

    Das ist keine Intoleranz, das ist Konsequenz
    Norwegen und Holland lassen sich nicht so leicht erpressen wie Deutschland!
    Und ich wünsche Holland und Norwegen viel Erfolg!

    Quelle: Die Welt
    "Montis Angst vor Merkels Rache"
    http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article107907271/Montis-Angst-vor-Merkels-Rache.html

  • Montis Angst vor Merkels Rache - Teil 1
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    Zitat:
    In Berlin wurde das rabiate Vorgehen des italienischen Premiers in der langen Nacht von Brüssel vielfach als Foul interpretiert. Monti hatte mithilfe der Spanier und dem Wohlwollen der Franzosen einen leichteren Zugang zum Euro-Rettungsschirm durchgesetzt - gegen den Willen der Kanzlerin.
    Zitat Ende:

    Er hatte sich als Sieger feiern lassen, während Merkel sich im Bundestag für ihre Zusagen rechtfertigen musste. Monti hat Merkel mit Hilfe von Rajoy und Hollande erpreßt!
    Und hat dieses dann als seinen Sieg über Merkel ausgegeben.

    Zitat:
    "Es ist mir jedes Mal immer wieder eine Freude, mich mit Angela Merkel zu treffen", versicherte der italienische Regierungschef.
    Zitat Ende:

    Weil er weiß, wie er sie austricksen kann.
    Als ehemaliger EU-Kommisar kennt er alle Tricks.

    Zitat:
    "Italien verlangt keine Rettung oder Euro-Bonds", ließ Monti nun die deutsche Öffentlichkeit wissen. Das ist überraschend, weil er sich noch am Dienstag vor dem Senat in Rom damit brüstete, in Brüssel die Gemeinschaftsanleihen auf die Tagesordnung gesetzt zu haben, was einigen Ländern "wenig Freude" bereitet habe - allen voran Deutschland.
    Zitat Ende:

    no comment

  • Dieser Blick kann nicht täuchen, Angela ist verliebt, vielleicht sogar Schwanger. Werden wir Zeuge einer historischen Union mit einem neuen Menschenschlag à la Mariangela?
    Immer besser als Merkozy, oder?

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