Regierungskrise in der Türkei
Investoren fliehen vor Erdogan

Verhaftungen, Rücktritte, Justizbehinderung: Der Korruptionsskandal in der Türkei weitet sich immer weiter aus. Das alarmiert auch Anleger und Unternehmen. Ihr Vertrauen in den Wirtschafts-Mann Erdogan ist erschüttert.
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DüsseldorfDie schwere Regierungskrise in der Türkei beunruhigt zunehmend auch Unternehmen und Investoren. Nach der radikalen Kabinettsumbildung in Folge eines Korruptionsskandals fiel die türkische Lira am Freitag zum Dollar auf ein Rekordtief von 2,146 Lira. Der Leitindex der Börse in Istanbul brach bis Freitagmittag um vier Prozent ein, hatte zeitweise gar sechs Prozent im Minus notiert. Neben der Währung gerieten türkische Staatsanleihen massiv unter Verkaufsdruck, nachdem sich ausländische Investoren teilweise aus dem Markt verabschiedet haben.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Donnerstag zehn Minister und damit die Hälfte seiner Regierung ausgetauscht. Zuvor waren mehrere Minister im Zuge von Korruptionsermittlungen zurückgetreten. Die türkische Opposition wirft Erdogan vor, konspirative Ziele zu verfolgen und sich ein Kabinett aus gefügigen Ministern schaffen zu wollen. Diese seien Teil von Erdogans Machtstrukturen, mit denen er das Land ohne demokratische Kontrolle regieren wolle. Der türkische Premier selbst sprach von einer Schmutzkampagne gegen seine Regierung.

Mit Erdogan ist ausgerechnet der Politiker unter Druck geraten, der sich als Mann des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Türkei gibt und lange das Vertrauen der Geldgeber genoss. „Die jüngsten Meldungen unterminieren die Fassade der Wirtschaftskompetenz der Regierung“, sagte US-Anlagestratege Michael Shaoul von Marketfield Asset Management.

Ausländische Anleger sehen das offenbar ähnlich: Sie haben in der vergangenen Woche und in der Woche davor Bonds im Wert von rund zwei Milliarden Dollar verkauft. Derzeit sind noch Anleihen im Wert von rund 54 Milliarden Dollar im Besitz von Ausländern – im Mai waren es noch 72 Millionen Dollar. Am Freitagvormittag stieg der Zinssatz der Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit um 0,46 Prozent auf 10,27 Prozent. Zuvor hatte die Rendite mit 10,33 Prozent den höchsten Stand seit 2010 erreicht.

Auch Unternehmen sind alarmiert, etwa der türkische VW- und Audi-Großhändler Dogus Otomotiv. Bisher geht man dort zwar davon aus, im kommenden Jahr mit dem Verkauf von 140.000 Autos umgerechnet rund 2,1 Milliarden Euro umsetzen zu können, sagte Chef Ali Bilaloglu der Nachrichtenagentur Reuters. Damit läge der Händler, der auch Porsche und andere Marken im Programm hat, auf dem Niveau von 2013. Das Ziel könne aber noch korrigiert werden. Dies hänge von der weiteren politischen Entwicklung und den Maßnahmen der Finanzbehörden ab. Denn obendrein hat die Autobranche in der Türkei mit härteren Regeln bei der Vergabe von Krediten zu kämpfen. Renault, deren Autos Dogus nicht im Programm hat, rechnet früheren Angaben zufolge 2014 in der Türkei mit einem Absatzrückgang von zwei Prozent auf 800.000 Fahrzeuge.

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  • Die Gründe, warum die USA und die EURO Zone nunmehr Druck auf die türkische Regierung ausübt, liegt in der Tatsache, dass die Türkei es dem Iran erlaubt Rohöl gegen Gold zu verkaufen und somit das Embargo der USA gegen den Iran aushebelt.

    Als der Irak vor 2003 damit begann den USD als Handelswährung zu meiden und das irakische Rohöl in EURO fakturierte, musste Hussein weg und Grossbritannien und die USA, auch vor dem Hintergrund des versiegenden Nordseeöls, begannen eine völkerrechtwidrigen Angriffskrieg gegen den Irak. Dieses Problem wurde somit militärisch gelöst und man stiehlt nun dem Irak seit mehreren Jahren das Rohöl. Dummerweise begann der Iran 2009 auch damit das iranische Rohöl nur noch in EURO zu handeln. Seitdem belegt man Iran mit einem Embargo und versuchte durch die Destabilisierung von Syrien ebenfalls die Invasion im Iran vorzubereiten. Das klappte dummerweise bisher nicht. Zudem verkauft der Iran nunmehr sein Öl nur noch gegen EURO oder Naturalien. In den letzten Jahren aber auch gegen Gold. Das funktioniert so. Die Türkei kauft in türkischer Währung Gold. Der Iran liefert Öl und die Türkei schickt das Gold in den Iran. Somit der Iran nicht mehr gezwungen sein Öl gegen neu gedruckte USD zu verkaufen. Diese Praxis geht den USA gehörig gegen den Strich und deshalb hat man nun diese Korruption-Story erfunden. In Wirklichkeit kämpft die USA einen aussichtslosen Kampf gegen die Entwicklung, dass der USD nicht mehr als internationale Handelswährung für Rohstoffe und Güter akzeptiert wird. Der militärische Einmarsch in den Iran klappt zeitlich wohl auch nicht mehr, da jetzt zwischen Japan und China die Hütte brennt und man seine Militärpräsenz im Pazifik verstärken muss.

  • Die Türkei ist ein klasse Land. Erdbodenschätze, Obst/Gemüse soweit das Auge reicht, umgeben von Stränden und Wasser, freundliche und optimistische Menschen. Es gibt viele Neider hier bei uns. Wir können hier ja Autos fressen und uns durch Kartoffeln ernähren. Rein historisch betrachtet haben wir ja sogar Übung darin ;). Go Erdogan. Erdogan for President :)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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