Regierungsrücktritt
Zypern-Krise befeuert Rettungsschirm-Gerüchte

An den Finanzmärkten macht sich Sorge um Zypern breit. Nach der Herunterstufung durch Moody's und dem Rücktritt der Regierung wird das Land als weiterer Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gehandelt.
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Berlin/NikosiaWenige Tage nach der jüngsten Hilfsaktion für Griechenland könnte ein weiteres Land unter den Euro-Rettungsschirm EFSF schlüpfen. In Zypern trat die Regierung angesichts massiver Proteste und einer drohenden Finanzierungskrise am Donnerstag zurück. An den Finanzmärkten nährte das die Erwartung, Zypern könnte als viertes Land unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Auch das hoch verschuldete Italien gerät erneut in den Fokus der Märkte. Europas drittgrößte Volkswirtschaft muss den Investoren wieder höhere Zinsen zahlen. EFSF-Chef Claus Regling versuchte in einem „Bild“-Interview, Vorbehalte gegen die vom Euro-Gipfel vergangene Woche beschlossenen erweiterten Handlungsmöglichkeiten für den Fonds zu zerstreuen.

Mit Griechenland, dem mit einem neuen Finanzhilfepaket von über 100 Milliarden Euro geholfen werden soll, sowie Irland und Portugal haben sich bisher drei Euro-Länder unter den EFSF-Schutzschirm geflüchtet.

Inzwischen bereitet die Entwicklung in Zypern Sorgen. Die Regierung trat zurück und der Präsident des Landes, Dimitris Christofias, will in einigen Tagen eine neue Mannschaft aufstellen. Persönliche Konsequenzen will der Kommunist Christofias trotz Forderungen von Tausenden Demonstranten bisher nicht ziehen. Krisenauslöser ist ein verheerendes Explosionsunglück auf einem Marinestützpunkt vor zwei Wochen. Damals flog im Hafen von Limassol ein Depot mit fast 100 Containern beschlagnahmter Munition in die Luft. 13 Menschen starben und das Kraftwerk Vassilikos wurde so schwer beschädigt, dass in großen Teilen der Insel der Strom ausfiel. Das verschärfte die ohnehin angespannte Wirtschaftslage.

Der Rücktritt verschärft die politische und wirtschaftliche Krise auf der Insel. Die Regierung betont aber, dass Zypern seine Finanzen noch unter Kontrolle hat und zur Zeit keine Hilfe der EU benötigt. „Zypern konnte bis jetzt seine finanziellen Bedürfnisse bis zum Jahresende zufriedenstellen“, sagte Regierungssprecher Stefanos Stefanou.

Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit am Mittwoch auf die Note „Baa1“ herunter - nur noch drei Stufen über dem Ramsch-Status für Anleihen. Neben der Energieknappheit begründete die Agentur ihre Bewertung mit der engen Verflechtung der zyprischen Finanzbranche mit dem angeschlagenen griechischen Bankensektor. Regierungssprecher Stefanos Stefanou widersprach Spekulationen, Zypern könnte den EFSF anrufen. „Bislang hat Zypern seinen Finanzierungsbedarf bis Ende des Jahres sichern können. Also nehmen Sie es nicht als gegeben an, dass Zypern den Hilfsmechanismus in Anspruch nehmen wird“, sagte er.

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  • eine sehr treffende Beurteilung. Nur unsere Öberen im Glashaus kapieren die Welt nicht. Der nächste Knall steht uns mit der Privatverschuldung in der Region bevor. Wer stützt dann griechische und zypriotische Banken ?. Die rus Mafia ? Wohl kaum. EU Grössen dürfen als allergrösste Ignoring-Pfeifen in die so schöngeredete EU-Geschichte eingehen.

  • Es ist wieder so weit: Deutsches Geld wird von Schäuble wieder zum Verbrennen freigegeben. Und still und leise wird die nächste Steuererhöhung vorbereitet. Ich warte schon auf den miesen Trick unserer Polit- und Journalisten-Clique.

  • Kann ich bestätigen. Ich habe 1998 Zypern nach sechs Verhandlungstagen fluchtartig verlassen, nachdem ich mich vorher um entsprechende Geschäftskontakte bemüht habe.

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