Regierungswechsel
Neuer Premier soll Malaysia aus Krise führen

Der asiatische Tigerstaat Malaysia bekommt einen neuen Regierungschef. Der bisherige Stellvertreter Najib Razak löst den glücklosen Regierungschef Badawi ab. Der neue Premier muss die Korruption in den eigenen Reihen bekämpfen und gleichzeitig die Wirtschaftkrise bewältigen.

KUALA LUMPUR. Mitten in der Weltwirtschaftskrise vollzieht der frühere asiatische Tigerstaat Malaysia einen Wechsel an der Regierungsspitze. Der glücklose Premier Abdullah Ahmad Badawi trat am Donnerstag zurück und machte so den Weg für seinen bisherigen Stellvertreter Najib Razak frei.

Abdullah hatte seinen Rücktritt bereits am Wochenende angekündigt. Vor einem Jahr hatte der seit 2003 regierende Premierminister seine Umno-Partei in die schwerste Wahlschlappe ihrer Geschichte geführt. Die Koalitionsregierung verlor im Parlament erstmals seit der Unabhängigkeit vor 52 Jahren ihre Zweidrittelmehrheit. Nach scharfer Kritik aus den eigenen Reihen stimmte Abdullah schließlich einem vorzeitigen Rücktritt zu. Den Parteivorsitz hatte er bereits zuvor an Najib abgegeben, der ihm nun auch als Regierungschef nachfolgen soll.

Eine Hauptaufgabe des neuen Premiers wird die Bekämpfung der Wirtschaftskrise sein. Nach Wachstumsraten zwischen 4,6 und 6,8 Prozent in den vergangenen Jahren prognostiziert die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) dem Land für das laufende Jahr eine um 0,2 Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung. 2010 soll das Bruttoinlandsprodukt dann wieder um 4,4 Prozent zulegen.

Zu schaffen macht dem stark exportabhängigen Land vor allem die fehlende Auslandsnachfrage. So gingen im vergangenen Jahr allein zwölf Prozent der malaysischen Exporte in die USA. Im Schlussquartal 2008 brachen die Ausfuhren wie in anderen asiatischen Ländern ein, doch angesichts solider Etatüberschüsse und substanzieller Währungsreserven hat Malaysias Regierung Spielraum, den Binnenkonsum anzukurbeln.

Hoffnungen auf eine baldige Erholung in den USA führten gestern an der Börse in Kuala Lumpur zu einem Kurssprung um 2,5 Prozent. Auch die Landeswährung Ringgit kletterte auf den höchsten Stand zum Dollar seit sieben Wochen.

Neben der Wirtschaftskrise sagt Najib auch der Korruption innerhalb der Regierungspartei den Kampf an. Dazu sollen nach seinem Vorschlag künftig 60 000 Vorsitzende von Ortsvereinen die Parteiführung wählen, nicht nur 2500 Delegierte. Allerdings ist der designierte Regierungschef selbst äußerst umstritten: Noch am vergangenen Wochenende musste er sich erneut gegen Gerüchte wehren, er sei in einen dubiosen Mordfall verwickelt.

Einer seiner engsten Berater hatte eine Affäre mit einem Model aus der Mongolei eingestanden, die 2006 verschwand. Ermittler vermuten, dass die Frau getötet wurde und ihre Leiche mit Sprengstoff wahrscheinlich aus Armeebeständen beseitigt wurde. Wegen des Mordes stehen Mitglieder einer Elitepolizeieinheit vor Gericht, die als Leibwächter für Politiker wie Najib arbeiten. Der künftige Premier betont, er habe das Model nicht gekannt.

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