Regionalgipfel des World Economic Forum
Hinter Indiens Boom lauern viele Risiken

Man kann Indiens Unternehmern nicht verdenken, dass sie vor Optimismus bersten: Ihre Firmen fahren Rekordgewinne ein, investieren mehr als je zuvor und machen mit Übernahmen im Westen von sich reden. Doch mit der Zuversicht, dass das Land den Weg zu dauerhaftem Wachstums findet, wächst auch das Bewusstsein für Stolpersteine.

NEU DELHI. Wachstumsraten von über acht Prozent locken auch ausländische Manager an. Diese Indien-Euphorie prägte den Regionalgipfel des World Economic Forums in Delhi, der am gestrigen Dienstag zu Ende ging. Doch mit der Zuversicht, dass das Land den Weg zu dauerhaftem Wachstums findet, wächst auch das Bewusstsein für Stolpersteine.

„Die Richtung stimmt, das Tempo ist das Problem, alles könnte viel schneller gehen“, bringt Metro-Chef Hans-Joachim Körber die Ungeduld westlicher Manager auf den Punkt. Er darf im derzeit attraktivsten Einzelhandels-Markt der Welt keine Supermärkte bauen. Statt schnellerer Liberalisierung lautet das Hauptziel der linkslastigen Regierung, die Armen stärker am Wachstum teilhaben zu lassen und soziale Klüfte zu mindern. „Unsere Demokratie ist ein Sicherheitsventil, das gerechtes Wachstum erzwingt und soziale Unruhen verhindert“, rechtfertigt Finanzminister Palaniappan Chidambaram diesen Kurs.

Marktwirtschaftliche Logik gerät dabei oft unter die Räder. Das Finanzsystem zum Beispiel mobilisiert zu wenig Kapital für langfristige Infrastrukturinvestitionen, deren Bedarf die Regierung auf 320 Mrd. Dollar bis 2012 beziffert. „Wir wissen genau, welche Reformen nötig wären“, versichert K.P. Krishnan, Staatssekretär im Finanzministerium. Aber die dominante politische Meinung assoziiere diese mit Spekulation – also mit dem Teufel.

Neben Infrastrukturengpässen geben Energieknappheit, Wassermangel, Umweltprobleme und Krisen im Gesundheits- und Bildungssystem Managern zu denken. Ohne eine dramatische Verbesserung der Grund- und Hochschulbildung fehlt der Wirtschaft bald Nachwuchs – und 70 Millionen Jugendlichen die Qualifikation für Jobs. So viele drängen in den kommenden fünf Jahren auf den Arbeitsmarkt.

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