Regionalwahlen
Blair kommt mit blauem Auge davon

Bei den Regionalwahlen in Großbritannien hat die Labour-Partei von Premierminister Tony Blair zwar etliche Stimmen verloren, aber nicht so stark wie befürchtet. Besonders in Schottland birgt der Urnengang politischen Sprengstoff.

HB LONDON/ABERDEEN. Hochrechnungen in der Nacht zu Freitag zufolge gab Labour in Schottland 6 der 129 Sitze im Parlament an die Schottische Nationalpartei (SNP) ab. Nach letzten Meinungsumfragen unter den 39 Millionen Wahlberechtigten in Schottland und Wales war erwartet worden, dass die Wähler deutlicher mit Blair abrechnen würden.

Blair dürfte in der kommenden Woche seinen Rücktritt bekannt geben. Sein wahrscheinlicher Nachfolger ist Finanzminister Gordon Brown – ein Schotte. Eine Wahlschlappe hätte ihn stark beschädigt. Die Popularität des amtierenden Premiers hatte stark unter dem Irak-Krieg und politischen Skandalen gelitten.

Eine Wahlschlappe in Schottland birgt aber auch Brisanz, da die SNP eine Unabhängigkeit von Großbritannien anstrebt. SNP-Chef Alex Salmond hat für 2010 ein entsprechendes Referendum angekündigt, sollte seine Partei bei den Regionalwahlen gewinnen. Labour möchte hingegen den 300 Jahre alten Bund zwischen Schottland und England erhalten und hat gewarnt, eine Loslösung würde der schottischen Wirtschaft schaden.

SNP-Vorsitzender Salmond sprach von einem „Wind des Wandels“, nachdem er in seinem Wahlkreis das Mandat für das schottische Parlament gewonnen hatte.

Noch kein klares Bild

Auch bei den Wahlen zum Regionalparlament in Wales sowie zu mehr als 300 Stadt- und Kreisräten in England verlor Blairs Partei eine Reihe von Mandaten. In Birmingham, der zweitgrößten britischen Stadt, wurde die Konservative Partei des Oppositionsführers David Cameron stärkste Kraft.

Labour konnte aber eine Reihe von Mandaten verteidigen, die als gefährdet galten. Ein klares Gesamtbild der Wahlergebnisse in England, Schottland und Wales wird nicht vor Freitagnachmittag erwartet. Der Urnengang galt weithin als Stimmungstest nach der zehnjährigen Amtszeit von Tony Blair.

Dass Blair die politische Bühne in diesem Jahr verlässt, hatte der Premier bereits im vergangenen September angekündigt. In Wahlen zum Unterhaus in London werden Labour und die Tories voraussichtlich erst 2009 oder gar 2010 wieder ihre Kräfte messen.

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