Regionalwahlen in Frankreich
Front National wohl stärker als gedacht

So perfide es auch klingen mag: Die Anschläge von Paris könnten Marine Le Pen in die Karten spielen. Aktuellen Umfragen zufolge könnte ihre Front National bei den Regionalwahlen in mehr Regionen gewinnen als gedacht.

ParisDie Anschläge von Paris spielen dem rechtsextremen Front National (FN) und seiner Chefin Marine Le Pen in die Hände: In einem Klima der Angst und Unsicherheit wird die Partei, die sich gegen Einwanderung positioniert hat und mit europafeindlichen Parolen auf Stimmenfang geht, bei der Regionalwahl laut Umfragen deutliche Zugewinne verbuchen und damit einen weiteren Triumph einfahren. Abgestimmt wird am Sonntag und in der zweiten und entscheidenden Runde eine Woche später.

Die Sozialisten von Präsident Francois Hollande und die konservativen Republikaner seines Vorgängers Nicolas Sarkozy sehen sich vor der Abstimmung hingegen in der Defensive. Auch wenn Hollande nach den Anschlägen mit 130 Toten an Popularität in der Bevölkerung gewann, dürfte seine Partei allenfalls darauf hoffen, dass sich die Verluste bei der Regionalwahl in Grenzen halten. Sarkozy, der auf einen Wiedereinzug in den Elysee-Palast bei den Präsidentenwahlen 2017 hofft, muss ebenfalls aufpassen, sich nicht von Le Pen den Schneid abkaufen zu lassen. Die Tochter des Partei-Gründers Jean-Marie Le Pen strebt ebenfalls das höchste Amt der zweitgrößten Volkswirtschaft in Europa an.

Umfragen gehen davon aus, dass der FN, der nach den islamistisch motivierten Anschlägen von Paris am 13. November deutlich in der Wählergunst zulegte, am Sonntag in sechs der 13 Regionen vorn liegen könnte. Zuvor war von vier Regionen die Rede. Damit würde die Partei, die auch von der aufgeheizten Flüchtlingsdebatte profitiert, ihren Siegeszug fortsetzen, den sie bei der Europa-Wahl 2014 eingeschlagen hat. Damals wurde sie erstmals stärkste Kraft in Frankreich.

Für die zweite und entscheidende Runde eine Woche später qualifizieren sich alle Parteien, denen der Sprung über die Zehn-Prozent-Hürde gelingt. Dies dürften neben den Rechtsextremen sowohl die Sozialisten als auch die Republikaner schaffen.

Le Pen selbst dürfte den Befragungen zufolge am Ende die neu zugeschnittene nordfranzösische Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie erobern. In der drittgrößten Region des Landes mit sechs Millionen Einwohnern könnte die Frontfrau unter Beweis stellen, dass sie Regierungsverantwortung übernehmen kann. Ihrer Nichte Marion Marechal-Le Pen werden gute Chancen vorausgesagt, künftig Regionalpräsidentin im Südosten des Landes zu werden.

Zudem dürften zwei oder drei weitere Regionen an den FN gehen. Für das industriell geprägte Alsace-Lorraine-Champagne-Ardenne an der Grenze zu Deutschland ist eine Mitte-Rechts-Koalition wahrscheinlich. Zum 1. Januar tritt eine Reform in Kraft, nach der die ehemals 22 Regionen zu 13 zusammengefasst werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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