Regulierung durch die Kommission
Der EU geht (k)ein Licht auf

Kerzen sollen künftig neue Sicherheitsanforderungen erfüllen – sie reihen sich damit in Gurken- und Apfel-Vorschriften der EU-Kommission ein. Mit Regulierungsirrsinn aus Brüssel hat die Verordnung aber weniger zu tun.

BrüsselPassend zur Adventszeit rückt die beliebte Weihnachtsdekoration wieder in den Vordergrund. Dazu gehören auch Kerzen: Ob groß oder klein, dick oder dünn und in welcher Farbe ist Geschmackssache. Für die Adventszeit würde ein rotes Kerzenlicht am besten herhalten.

Die stimmungsvollen Kerzen könnten bald streng reguliert werden: Die Europäische Kommission plant neue Sicherheitsanforderungen für Kerzen, Kerzenhalter, Kerzenbehälter und Kerzenzubehör. Ein entsprechender Entwurf auf vier Seiten Länge schreibt vor, wie eine Kerze zu definieren ist: „Ein Produkt, das aus einem oder mehreren brennbaren Dochten besteht, die von einer bei Raumtemperatur (20 °C bis 27 °C) festen oder halbfesten Brennmasse gestützt werden.“ Auch über die primäre Funktion des Produktes wird aufgeklärt – nämlich jene, eine Licht erzeugende Flamme aufrechtzuerhalten.

Im Anhang wird ersichtlich, wie genau Kerzen innerhalb der EU künftig reguliert werden sollen: Frei stehende Kerzen sollen während des Abbrennens stabil bleiben. Die Flamme darf nur eine bestimmte Höhe erreichen. Auch die Verbrennungsgefahr durch Berühren der Kerze muss so gering wie möglich gehalten werden. Alle Mitgliedstaaten stimmten dem Entwurf zu, nur Großbritannien enthielt sich der Stimme.

Für Kritiker der EU-Regulierungswut ist das gefundenes Fressen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Bevölkerung bei solch kuriosen Entwürfen die Köpfe schüttelt. Die Kommission beschloss etwa 2011, wie Äpfel auszusehen haben (Nr. 543/2011). Die Früchte sollen ungeachtet ihrer Klasse und Sorte ein Mindestgewicht von 90 Gramm und eine Mindestgröße von 60 Millimetern aufweisen.

Eine andere Verordnung (Nr. 1677/88) sah von 1988 bis 2009 gar die maximale Krümmung von Gurken vor – diese durfte nicht mehr als zehn Millimeter auf zehn Zentimetern Länge aufweisen. Im vergangenen Jahr verbat die EU sogar stromfressende Staubsauger: Maximal 1600 Watt Leistung dürfen neue Geräte seither aufweisen. Ab 2017 könnten es nur noch 900 Watt werden.

Komplett sinnlos sind die neuen Sicherheitsanforderungen allerdings nicht: Im jüngsten Fall reagiert die EU-Kommission damit auf gleich mehrere Unfälle mit Kerzen. Damit kommt sie der EU-Richtlinie zur Produktsicherheit aus dem Jahr 2001 nach. Im Falle fehlerhafter Produkte und Waren kann die EU neue Sicherheitsstandards definieren und somit mehr Sicherheit garantieren.

Und nicht immer kommen die Ideen zu neuen Regulierungen direkt aus Brüssel: In erster Linie sprachen sich Spediteure und Supermärkte für eine gleichmäßige Form von Gurken aus. Schließlich passen gerade Exemplare besser in Kisten und können so ökologischer transportiert werden.

Mit der Staubsaugerregulierung sollten EU-Bürger dagegen dazu gebracht werden, weniger Strom zu verbrauchen – und damit die Umwelt zu schonen. Neben den Sicherheitsvorkehrungen sind chemische Anforderungen und Emissionen weitere Schwerpunkte der neuen Regulierung: Laut Entwurf müssen Kerzen im Innenbereich dem Rußindex entsprechen und dürfen damit den Wert von 1,0 pro Stunde nicht überschreiten – eben so gering und ökologisch wie möglich.

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