Regulierung
EU will Wetten auf Staatspleiten stoppen

Nach dem Willen der Europäischen Union sollen ungedeckte Kreditausfallversicherungen künftig verboten werden. Diese Maßnahme soll Finanzwetten auf Staatspleiten eindämmen.
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BrüsselDie Europäische Union will Finanzwetten auf Staatspleiten stoppen. Sogenannte ungedeckte Kreditausfall-Versicherungen für Staatsanleihen sollen künftig faktisch verboten werden, wie EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Nach einer Einigung am Dienstagabend in den Verhandlungen zwischen EU-Ländern und dem Europaparlament sind solche Finanzprodukte künftig nur noch in Ausnahmen und unter strengen Auflagen möglich.

Dadurch können Spekulanten nicht länger Kreditausfall-Versicherungen für Staatschulden kaufen, ohne auch tatsächlich die entsprechenden Titel der betroffenen Länder zu besitzen. Ansonsten bekäme der Besitzer eines solchen Papiers im Falle der Pleite eines Staates - selbst wenn er keine Anleihen des Pleitelandes besitzt - eine Entschädigung. Durch die neue Regelung soll Finanzgeschäften ein Riegel vorgeschoben werden, die in Krisensituationen Unsicherheiten den Börsen und die Lage von Staaten verschlimmern können.

„Das ist ein hochspekulatives Produkt“, begründete der CSU-Finanzexperte im Europaparlament, Markus Ferber, am Mittwoch das Verbot der ungedeckten Kreditausfall-Versicherungen für Staatsanleihen. „Im Prinzip ist das das Gleiche, als wenn man eine Brandschutz-Versicherung für das Nachbarhaus abschließt in der Hoffnung, dass das Haus möglichst schnell abbrennt.“ Ferber äußerte sich zuversichtlich, dass die EU-Länder keinen Gebrauch von der Möglichkeit machen, unter bestimmten Auflagen diese Produkte wieder zuzulassen.

EU-Länder und Europaparlament müssen der erzielten Einigung noch offiziell zustimmen. Bisher gibt es unterschiedliche oder gar keine Regelungen für den Handel mit diesen hochspekulativen Finanzprodukten.

 

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • "Nach der ersten Hälfte der Legislaturperiode gehen die Meinungen zur Arbeit der Bundesregierung weit auseinander. Die Gewerkschaften üben Kritik, doch die Arbeitgeber sind zufrieden mit Merkel."

    Nach der Aussage dieses Artickels braucht man kein Kommentar mehr! Denke ich!

  • Seit der Euro- Einführung ist die Rivalität zwischen den Wirtschaften des Euroraums schärfer geworden. Statt eine Konvergenz anzustreben ist gerade das Gegenteil gewollt und erreicht worden.
    Besonders die deutsche Wirtschaft ist stark auf Kosten und zum Nachteil der anderen Euroländer gewachsen. Nicht, wie so oft während der Verleumdungskampagne behauptet, weil die andere faul und die Deutsche besonders fleißig sind, sondern weil das Prinzip der eigenen Verantwortung im Euroraum keine andere Entwicklung zulässt.
    Wenn der Euro eine Zukunft haben soll dann muss eine größere Konvergenz der Euroraumwirtschaften angestrebt und erreicht werden.
    Um nur eines der Probleme die wir im Euroraum, durch die Wirtschaftsdivergenz haben, ist der Eurowechselkurs der für die deutsche Wirtschaft bei 1,70 zum US-Dollar liegen müsste, während für die spanische, italienische und jetzt auch französische Wirtschaft ein Wechselkurs von 1,30 zum $-US angebracht wäre.
    Die horizontale Arbeitsteilung innerhalb des Euroraums, die vor allem Deutschland und Frankreich anstreben, ist inkompatibel mit der Währungsunion und wird mittelfristig zum Scheitern Dieser führen. Den Versuch des Prinzips der Eigenen Verantwortung hätte man sich sparen können. Es war offensichtlich für jeder halbwegs informierter Wirtschaftsexperte dass es nicht funktionieren würde.

  • Antwort auf Ignoranz: Es geht um das Verbot _ungedeckter_ CDS. Weiterhin kann jeder seine griechischen Staatsanleihen mit CDS absichern.

    So langsam wirds echt peinlich. Den Artikel nicht lesen und irgendwelche Nebelkerzen werfen; das ist keine Diskussionskultur.

    Ich denke, hier kann man echt etwas lernen... weniger über das Verbot von CDS, mehr über die Vorgehensweise neoliberaler Bankster.

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