Regulierung geplant
EU greift Schattenbanken an

Binnenmarktkommissar Michel Barnier sieht Schattenbanken als „große Bedrohung für die Finanzstabilität“. In einem Papier heißt es, dass die EU-Finanzmarktvorschriften nun auch auf sie ausgeweitet werden könnten.
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BrüsselDie EU-Kommission nimmt eine neue rasant wachsende Grauzone an den Finanzmärkten ins Visier. „Die Schattenbanken stellen eine große Bedrohung für die langfristige Finanzstabilität dar“, heißt es in einem Papier von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, das dem Handelsblatt vorliegt. Immer mehr Finanzmarktakteure würden auf der Flucht vor den strenger gewordenen EU-Finanzmarktvorschriften in Schattenbanken ausweichen. Als Beispiele nennt Barnier Geldmarktfonds, börsengehandelte Indexfonds und spezielle Zweckgesellschaften. Solche Institutionen würden bankähnliche Geschäfte betreiben, aber trotzdem nicht der EU-Bankenregulierung unterliegen.

Das will Barnier nun ändern. Es sei eventuell nötig, die EU-Bankenregulierung „auf die Schattenbanken auszuweiten“, heißt es in dem Papier, das Barnier Mitte März vorlegen will. Dabei denkt Barnier insbesondere an die Eigenkapitalvorschriften. „Die Kommission prüft derzeit die Möglichkeit, bestimmte Vorschriften von CRD4 auf Finanzgesellschaften auszuweiten, die nicht im Einlagengeschäft tätig sind“, heißt es in dem Papier. Bei CRD4 handelt es sich um die Gesetzentwürfe, mit denen die EU die Basel-III-Eigenkapitalempfehlungen in europäisches Recht umsetzt. CRD4 wird derzeit im Europaparlament und im EU-Finanzministerrat beraten und soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Die EU-Eigenkapitalvorschriften gelten bislang nur für Banken, die sowohl im Einlagen- als auch im Kreditgeschäft tätig sind

Für die Finanzaufsichtsbehörden seien die Schattenbanken eine „ernste Herausforderung“, heißt es weiter in Barniers Papier. Möglicherweise müssten die Aufsichtsbehörden neue Befugnisse erhalten, um diese Grauzone unter Kontrolle zu bekommen. Wie weiter aus dem EU-Papier hervorgeht, haben die Schattenbanken ihren Umsatz zwischen 2002 und 2010 mehr als verdoppelt auf schätzungsweise 46 Billionen Euro. Das entspricht einem Anteil von 25 bis 30 Prozent des gesamten Finanzmarkts.

Kommentare zu " Regulierung geplant: EU greift Schattenbanken an"

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  • EU ist nur noch ein Quasselverein ohne Durchblick. Der Finanzmarkt trickst die doch aus nach allen Regeln der Kunst. Bis die merken, wo der Dieb arbeitet, ist die Beute schon im sicheren Hafen.
    Stellt sich die Frage: Sind die so dumm, oder steckt auch hier Strategie dahinter?
    Ich kann nur noch lachen, über deren Handlungsweise, deren glorreichen Erkenntnisse, gegen die sie so machtlos sind, wie ein Jäger ohne Gewehr im Kampf mit einem Tiger.
    Die tun ja gerade so, als hätten sie von Schattenbanken bisher nichts gewusst, oder deren Bedeutung nicht erkannt.
    4 Jahre, seit dem akuten Ausbruch der Krise, merken die erst, wo man eingreifen müsste. Aber, sie wollen es ja nur, ob sie es tun, da bleiben Wweifel. Ankündigungen kennen wir zur Genüge.Gewollt haben sie schon viel, getan wurde wenig. Inzwischen geht alles den Bach hinunter.

  • Hoffentlich hat Herr Barnier Zeit und Muse die Argumentation des ehemaligen Bundesbank- und EZB- Chefvolkswirt Issing sich zu Gemüte zu führen und selbst darüber nachzudenken.

  • Die EUdSSR hat durch die Fehlkonstuktion Euro und die Überschuldung der PIGS den schlimmsten Schaden seit WW2 verursacht. Und ausgerechnet die EUdSSR hat es nötig andere anzugreifen?

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