Regulierung
SEC rückt "Dark Pools" auf die Pelle

Die Regulierung des Finanzsystems erreicht nun auch mythenumrankte Nischen des Kapitalmarktes. So genannten „Dark Pools“ – anonyme Handelsplattformen für riesige Akientransaktionen – rücken auf Druck der Politik weltweit ins Fadenkreuz der Aufsichtsbehörden.

NEW YORK/LONDON/FRANKFURT. „Wir müssen die Dark Pools ausleuchten“, forderte der einflussreiche demokratische Senator Edward Kaufman. Die durch die Deregulierung des vergangenen Jahrzehnts entstandenen elektronischen Systeme von Brokern, Investmentbanken und einigen Börsen müssten überprüft werden, um für alle Anleger gleiche Bedingungen zu schaffen. Die mächtige Chefin der US-Wertpapieraufsicht SEC, Mary Shapiro, drohte den Dark Pools bereits damit, sie „hart in den Blick“ zu nehmen. In der EU kündigte Finanzmarktkommissar Charlie McCreevy an, die „unfairen Vorteile“ der Systeme bis Ende 2009 zu überprüfen. Dazu soll die Richtlinie Mifid, die 2007 Dark Pools erst ermöglicht hat, überprüft werden.

Typischerweise werden Dark Pools von Großinvestoren wie Hedge-Fonds genutzt, um große Blöcke von Aktien - oft mehrere 10 000 Stück – zu handeln, ohne den Kurs des Papiers allein durch die Existenz der Order zu beeinflussen. Ein Verkäufer stellt dabei etwa anonym und ohne allgemein sichtbare Preis- und Größenangabe seine Order in einen Dark Pool. Diese wird nur ausgeführt, wenn ein Käufer ungefähr die gleiche Zahl an Aktien zu gleichen Preis durch eine ebenso anonyme Kauforder sucht. Der Preis der Transaktion wird nur mit Zeitverzögerung und teilweise mit anderen Ordern summiert veröffentlicht. Würde der Verkäufer die Order auf einer klassischen Börse einstellen, würde das allein die Aktien in den Keller schicken. Ähnliche Ordertypen kennen alle Börsen, allerdings wurden sie nie automatisiert und in diesem Umfang genutzt.

Experten hatten den gut 40 in den USA aktiven Dark Pools bis vor kurzem eine Verdoppelung des Marktanteils von noch sieben Prozent in Aussicht gestellt. Der Hand voll europäischer Plattformen sagten Börsenkenner ähnliches Wachstum vorher. Zu Lasten der etablierten Börsen, die ohnehin schon mit sinkendem Marktanteilen kämpfen. Auf deren Druck und aus Furcht, intransparente Systeme könnten Krisen wie die aktuelle befördern, arbeiten die Behörden nun an höheren Transparenzvorschriften, die die Existenz zumindest einiger Pools in Frage stellen dürften. „Wenn die Nutzer bessere Daten über die Orderausführung bekommen, dürfte es zu einer Konsolidierung kommen“, sagte Adam Sussman, Börsenspezialist der Tabb Group. Bereits jetzt hat die Londoner Börse eingeräumt, dass ihr geplanter Dark Pool „Baikal“ wegen regulatorischer Veränderungen womöglich gar nicht funktionieren wird.

US-Dark-Pool-Betreiber schimpfen auf die Lobbyarbeit der führenden Börsen Nyse und Nasdaq. „Ich verstehe, dass sie das Duopol behalten wollen“, sagte Seth Merrin, Chef der größten unabhängigen Plattform Liquinet. Er argumentiert, dass Dark Pools die Preisbildung im Markt durch mehr Liquidität verbessern, was letztlich auch für die zu schützenden Kleinanlegern vorteilhaft sei.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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