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24.07.2008 
Standorte der Zukunft

Reich, jung, dynamisch – Lyon bietet Paris die Stirn

von Holger Alich

Angesichts hoher Mieten und einer überlasteten Verkehrsinfrastruktur in der Hauptstadt suchen die Firmen nach Alternativen in Frankreich - und werden an der Rhône fündig. Die Region zählt zu den dynamischsten des Landes.

Nicht nur Olympique Lyon ist erfolgreich - die ganze Region boomt. Foto: APLupe

Nicht nur Olympique Lyon ist erfolgreich - die ganze Region boomt. Foto: AP

LYON. Der Rasen vor den neuen, vierstöckigen Bürogebäuden leuchtet im satten Grün. Die Bauten auf campusartigen Anlagen sind mit hellgepflasterten Gehwegen verbunden. Autos schleichen mit maximal 30 Stundenkilometern über das Gelände. Das lauteste Geräusch stammt vom Wind, der durch die hohen Bäume im Park weht.

Willkommen im Parc Technologie de Lyon, der Hauptstadt der Region Rhône-Alpes, im Südosten Frankreichs. Die Region verlässt sich bei der Ansiedlung neuer Investoren nicht nur auf ihre günstige geographische Lage an der Grenze zur Schweiz und Italien. Im Technologiepark bietet die Region zum Beispiel schlüsselfertige Büros für Unternehmen an, die ein Standbein in Frankreich mit Blick auf Südeuropa aufmachen wollen.

Übersicht: Großraum Lyon

Seit Februar 2007 hat auch die deutsche SMA Solar Technology AG ihr Vertriebsbüro für Frankreich im Lyoner Technologie-Park eröffnet. SMA mit Hauptsitz im hessischen Kassel ist Weltmarktführer bei sogenannten Solar-Wechselrichtern. Sie wandeln die von Solarzellen produzierte Energie in nutzbaren Wechselstrom um. 2007 erwirtschaftete SMI einen Umsatz von 330 Mill. Euro.

In Frankreich leitet Pierre Genin die Geschäfte des Solar-Spezialisten. "Es war für uns fast natürlich, sich in der Region Rhône-Alpes niederzulassen, denn um Lyon herum gibt es die meisten Solar-Anlagen", sagt der Manager. Seit Sommer 2006 gibt es auch in Frankreich ein Solar-Stromeinspeise-Gesetz; sprich, Ex-Monopolist EDF muss Solar-Strom zum Garantie-Preis abnehmen. Seitdem scheint für die Solar-Branche auch in Frankreich die Sonne.

"Ich muss regelmäßig meine Prognosen nach oben korrigieren", freut sich der Genin. Derzeit beschäftigt SMA in der Region acht Mitarbeiter; Ende des Jahres sollen es 13 sein. "Da die meisten Solar-Unternehmen sich hier angesiedelt haben und die lokalen Unis qualifizierten Nachwuchs produzieren, haben wir beim Rekrutieren keine Probleme", sagt Genin. Sollte das Wachstum so weiter gehen, erwägt SMA bei Lyon später ein Logistik-Zentrum zu eröffnen.

Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfung KPMG ist Frankreich der attraktivste Standort in Europa für Unternehmensniederlassungen - noch vor Deutschland. Bei der Standortsuche in Frankreich gehen indes viele Unternehmen noch nach dem Schema: Frankreich gleich Zentralstaat gleich Paris vor. Doch angesichts hoher Mieten und einer überlasteten Verkehrsinfrastruktur suchen die Firmen nach Alternativen - und werden in Lyon fündig. Die Region um Lyon zieht seit Jahren nach der Hauptstadt die meisten Auslandsinvestoren an - nicht nur aus der Solarbranche.

Die Region zählt zu den dynamischsten in Frankreich: In den Jahren 1990 bis 2005 lag die Wachstumsrate über dem Landesdurchschnitt. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von über 174 Mrd. Euro pro Jahr zählt die Rhône-Alpes zu den fünfzehn reichsten Regionen der Europäischen Union. Hinzu kommt, dass sie jung ist: Über ein Viertel der Bevölkerung ist noch nicht mal 20 Jahre alt. Dank der dynamischen Wirtschaftsentwicklung liegt die Arbeitslosigkeit in der Region einen Prozentpunkt unterhalb des Landesschnitts.

Rhône-Alpes spielt in Frankreich eine führende Rolle in Sachen Forschung und Entwicklung. 2004 startete die Regierung eine neue Initiative für Industriepolitik: In sogenannten "Polen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit" (Pole de Compétitivité) sollten sich große und mittelständische Unternehmen mit öffentlichen Forschungsinstitutionen und Universitäten zusammen schließen, um in gezielten Bereichen wie Biotechnologie oder Aeronautik Synergien zu heben. 15 von 71 Polen in ganz Frankreich sind in der Region Rhône-Alpes angesiedelt, darunter "Lyon Biopole", der von den Konzernen Sanofi Pasteur, Spezialist für Impfstoffe, dem BioMérieux (Diagnostik) und Mérial (Tiergesundheit) angeführt wird. Dieser Biotech-Cluster lockte den US-Konzern Genzyme an; über 100 Mill. Euro hat er in ein neues Werk in Lyon investiert.

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