Reichensteuer
Norwegen stellt Superreiche an den Pranger

Nun hat auch Norwegen seine Debatte um Steuermoral. Auslöser der hitzigen Diskussion über die soziale Verantwortung, die die Reichsten der Reichen übernehmen müssen, war ein Ausspruch von Stein Erik Hagen, Norwegens zweitreichstem Bürger.

STOCKHOLM. Stein Erik Hagen hat der rot-grünen Regierungskoalition des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg vorgeworfen, dass „etwas Osteuropäisches über der norwegischen Wirtschaftspolitik“ liege. Damit griff er indirekt einen Ausspruch des ehemaligen schwedischen Wirtschaftsministers auf, der vor ein paar Jahren aus Ärger über eine von der Regierung in Oslo torpedierte Fusion zweier Telekom-Gesellschaften Norwegen als „einen der letzten Sowjetstaaten“ bezeichnet hatte.

Hagen, der sein Geld in der Lebensmittelbranche verdient hat und heute einer der größten privaten Investoren in unterschiedlichen Branchen ist, wirft der Regierung vor, keine langfristige Perspektive für die Weiterentwicklung des Wohlfahrtsstaates zu haben. Stattdessen schaue man nur auf die nächsten Wahlen.

„Ich werde dafür sorgen, dass Hagen mehr Steuern zahlt“, polterte jetzt ein entnervter Stoltenberg zurück. Hagen werde auf keinen Fall von irgendwelchen Erleichterungen profitieren können. Seitdem diskutiert eines der reichsten Länder der Welt über die Superreichen.

Der Allerreichste allerdings, John Fredriksen, hat das Land schon 2006 verlassen. Der Reeder, der derzeit als einer der Hauptaktionäre den TUI-Konzern zerschlagen will, war die Steuerbelastungen von mehr als 50 Prozent leid, ging zur Polizei und erklärte lapidar, dass er seinen norwegischen Pass abgeben wolle. Gesagt, getan. Seitdem ist Fredriksen Zypriot mit Wohnsitz in London. Das hat viele Norweger erzürnt, war aber sicherlich vorteilhaft für Fredriksens geschätztes Vermögen von mehr als acht Mrd. Dollar.

Da sich Fredriksen außerhalb der Schusslinie befindet, brauchte Stoltenberg ein neues Angriffsziel – und fand es in Hagen. Die Vermögensteuer für die 100 Reichsten in Norwegen, rechnete Stoltenberg vor, bringt der Staatskasse rund eine Mrd. Kronen. Auf die werde man nicht verzichten, so der Regierungschef – und machte damit deutlich, dass die immer wiederkehrende Diskussion über eine eventuelle Abschaffung der Vermögensteuern bei ihm auf taube Ohren stößt.

Der gescholtene Hagen beklagte sich jetzt in den Medien, dass der Regierungschef ihn zum Staatsfeind gemacht habe. „Nach meinen Berechnungen haben meine Familie und ich im letzten Steuerjahr rund 820 Mill. Kronen an Steuern in die Staatskasse bezahlt. Verdiene ich dafür diese Verfolgung?“

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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