Reichensteuer Zur Kasse, bitte!

Im Zuge der Eurokrise bitten viele EU-Länder Topverdiener verstärkt zur Kasse. Die Belastung der Reichen soll die Akzeptanz für Sparprogramme erhöhen. Was die Regierungen planen - und was die Milliardäre davon halten.
18 Kommentare
Der französische Nicolas Sarkozy will nun auch bei Reichen die Hand aufhalten und eine Sondersteuer einfordern. Quelle: dpa

Der französische Nicolas Sarkozy will nun auch bei Reichen die Hand aufhalten und eine Sondersteuer einfordern.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWie sich die Zeiten ändern. 2007 war Nicolas Sarkozy als neuer französischer Präsident noch mit dem Versprechen angetreten, dass sich Leistung wieder lohnen werde – gerade für die besonders Wohlhabenden. Jetzt kündigt der Staatschef eine Sondersteuer von drei Prozent für Einkommen über 500 000 Euro an, die helfen soll, das Haushaltsloch zu füllen.

Zwischen den beiden Ankündigungen liegen die Weltfinanzkrise und die größte Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, die die Verschuldung der Staaten in die Höhe getrieben haben. Deshalb wird auch in anderen Ländern Europas darüber nachgedacht, die Reichen stärker zur Kasse zu bitten. In Italien bereitet die Regierung eine Sondersteuer für Topverdiener vor, Spanien diskutiert über die Wiedereinführung der Vermögensteuer, Großbritannien hat bereits 2010 den Spitzensteuersatz von 40 auf 50 Prozent heraufgesetzt. Die Belastung der Reichen soll die Akzeptanz für die oft schmerzlichen Sparprogramme in der Bevölkerung erhöhen.

Die Industriestaaten drehen damit einen Jahrzehnte währenden Trend um. Seit den 1970er-Jahren seien hohe Einkommen nach und nach entlastet worden, sagt Stephen Matthews, Steuerexperte der Industrieländerorganisation OECD. Mussten Topverdiener damals in vielen Ländern noch 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens abführen, liegen die Spitzensteuersätze heute meist zwischen 40 und 45 Prozent. Auch die Belastung von Vermögen und Kapitaleinkünften ist stark gesunken.

Verstärkt wurde der Trend in den vergangenen zehn bis 15 Jahren durch einen Steuerwettlauf nach unten, den die Regierungen angesichts der zunehmenden Mobilität von wohlhabenden Privatpersonen und Firmen anzettelten. Lieber weniger als gar nichts kassieren, war die Devise. Die Entlastung trug dazu bei, dass die Einkommen der am besten verdienenden zehn Prozent der Bevölkerung in diesem Zeitraum viel stärker anstiegen als der Schnitt.

Milliardäre zahlen freiwillig
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Reichensteuer - Zur Kasse, bitte!

18 Kommentare zu "Reichensteuer: Zur Kasse, bitte!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @whisky: Was nur zeigt, daß Arbeitseinkommen zu hoch besteuert wird. Im Übrigen ist es a) ein altes Märchen, Kapitalerträge seien "leistungslos", was natürlich nicht stimmt, und b) wird das Anlagekapital permanent durch Inflation entwertet (man versteuert also Scheingewinne) während meine Arbeitsleistung durch Inflation mehr wert wird, da die Löhne der Inflation folgen.

  • Wir haben einer Tatsache klar ins Auge zu sehen: der Staat hat seit seines Bestehens immer mehr Geld ausgegeben, als eingenommen. Die Steuereinnahmen sind 2010 auf neue Rekordhöhen gestiegen, trotzdem geht die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter auseinander und die Schulden steigen rasant, ein unerträglicher Zustand! Das lassen sich die Politiker auch noch mit Diätenerhöhungen weit über der Inflationsrate honorieren. Das zeigt, dass ein ganzer Stand die Bodenhaftung verloren hat!
    In Brüssel u Straßburg gehen die Kosten der Bürokratie ins Uferlose, auch in den neuen Bundesländern erhalten die Poliker viel zu hohe Diäten und es werden ständig neue Fresströge für parteinahe Leute aufgetan, mit einem Wort: die Kosten der Demokratie sind viel zu hoch geworden. Wenn gespart werden soll - und wir werden sehen, es muss (!) - dann hat die Politik mit gutem Beispiel voran zu gehen und bei sich zu allererst mit kostendämpfenden Maßnahmen anzufangen! Das Andere ist das Steuern durch Steuern. Man kann nicht die Systeme bei offenen Grenzen aufeinander prallen lassen, um sich anschließend an dem Land mit den niedrigsten Steuersätzen auszurichten. Dies hatte einen Wettlauf der EU-Länder um die niedrigsten Sätze zur Folge, die vermeintliche Wettbewerbsnachteile ausgleichen sollten. Damit wurde aber dem Raubtierkapitalismus Tür und Tor geöffnet! Deshalb ist es dringendst erforderlich, in der BRD die Aussetzung der Vermögensteuer wieder rückgängig zu machen. Auf der anderen Seite sollte Vergabe von Fördermitteln aus Brüssel, egal für welche Zwecke, strikt mit der Gesamtsteuerbelastung des jeweiligen Landes gekoppelt werden, d.h., je weniger Steuerbelastung, desto weniger Fördermittel.
    Wir kommen in der EU, vor allem aber im Euro-Raum nur aus der Schuldenfalle heraus, wenn die Politik sich in konzertierten Aktionen auf Schritte in diesem Sinn verständigt!

  • Die Reichen mehr besteuern hört sich toll an, da kann man so schön seine niederen Neid-Instinkte abreagieren. Aber vielleicht sollten wir vorsichtshalber erst einmal definieren, wen genau man als "reich" bezeichnet. Dann wird relativ schnell klar: Entweder man setzt die Grenze so hoch an, daß es nur reine Symbolpolitik ist und nicht viel zum Steueraufkommen beiträgt, oder man definiert bereits Durchschnittseinkommen als "reich". Es liegt in der Natur der Sache, daß dieses Dilemma nicht lösbar ist. Und genau deswegen wird auch kein Sonntagspolitiker definieren, was er denn mit "reich" meint.
    Übrigens, die "Reichen-"Steuer in Frankreich gilt erst bei einem Einkommen von 500.000 EUR. PRO HAUSHALTSMITGLIED, wohlgemerkt. Bei einer vierköpfigen Familie also erst ab einem Einkommen von 2 Mio. pro Jahr...

  • Der "Spitzensteuersatz" für Kapitaleinkünfte liegt bei 25% + Soli. (Quellensteuer). Leistungsloses Einkommen (Zinsen, Dividenden usw.) wird niedriger besteuert als Arbeitseinkünfte.

  • Jetzt zahlen die Menschen in der Eurozone sich selbst die Zinsen für ihre Vermögen. Aber wahrscheinlich werden sie mehr zahlen als bekommen, weil die Geldentwertung durch die EZB nebenher mitläuft.

  • Falsche Zahlen: Der Sptzensteuersatz liegt in Deutschland nicht bei 45 % sondern bei 47,5 % ! Der Solidaritätszuschlag wurde bei der Berechnung vergessen !

  • hier erreichen wir nur eine Änderung wenn der Politik der Zugriff áuf alle Gelder entzogen wird.
    Es sollte eine völlig neutrale Kommission, die nichts aber auch gar nichts mit der Politik zu tun hat, alle öffentlichen Gelder verwaltet.
    Das müßte soweit gehen, dass die Mitglieder dieser Kommission, z. B. STeuerberater etc. nicht aus Berlin sein dürften sondern vom hinterletzten Dorf, um sicher zu gehen, dass sie keinen Politiker persönlich kennen
    D. h. im Klartext, die Politik muß dann auch bei dieser Kommission einreichen wenn sie Geld will und sagen wofür. Und erst nach Prüfung erhält die Politik dann Geld oder auch nicht
    Politiker können nicht mit Geld umgehen.
    Das ist genau so als wenn wir unserem Hund einen Wurstvorrat vor die Nase legen und ihn auffordern gut darauf aufzupassen. Das wird auch nicht gelingen
    Politiker sind die größten Schmarotzer, sich selbst bedienen sie immer gerne, auch das muß ge4änert wrden

  • nein: das thema ist genau richtig. gute ansätze, aber leider sind politiker meistens für die wirtschaft zu blöde juristen oder unfähige physiker. es gibt keine richtigen staatsmänner mehr, nur noch hampelmänner ala westerwelle und rösler, die lobbygesteuert sind. somit liegen sie nicht ganz verkehrt mit ihren forderungen. leider sind so gravierende änderungen politisch nicht durchführbar. eher müsste ein umbruch vom volke ausgehen, wie es derzeit in nordafrika geschieht, aber wir kennen ja die spielchen. zum schluss bleibt alles am einfachen bürger hängen, der den wiederaufbau schultern muss.

  • Natürlich brauchen der Staat die 680 Millionen, obwohl es im Vergleich zu 160 Mrd nicht viel erscheint. Setzt man die Steuer bereits bei 100.000 EUR für Ledige an (dann sind vielleich schon mehr als 1 Mrd.), so wird dieser deswegen nicht verhungern, sich aber vielleicht statt dem neuen Ferrari 458 Spider nur den Ferrari 458 Italia kaufen (Preisunterschied wahrscheinlich 10% um die 20 Tsd EUR, das war etwas überzogen, aber es soll ja auch provozieren).

    Diese Maßnahme und viele andere dazu (Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer auf 19%, Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze, Eindämmung der Steuerverschwendung, etc.) könnten zu einer extremen Entlastung des gesamten Systems beitragen.
    Aber das würde ja die Lobbyisten verärgern, und das würde die Parteispenden nach unten drücken.

    Was schließen wir draus. Wir verbieten Parteispenden generell. Lieber sollten die Parteien Gelder pro bekommene Stimme bei den Wahlen bekommen. Vielleicht kommen sie dann wieder in die Pötte und machen Politik, die
    1. für das Volk ist
    2. das Volk auch interessiert und damit die Wahlbeteiligung steigt

    Desweiteren Koppelung der Diätenerhöhung an die realen durchschnittlichen Lohnsteigerungen im Land. Denn daran kann man messen, was das gesamte Volk wirklich von den Regierungsentscheidungen hat. Dann gibts halt auch mal eine Nullrunde für Abgeordnete, wenn die Wirtschaft nicht so gut läuft.

    Bin etwas vom Thema abgekommen, aber was solls.

  • da passt es doch gut rein, dass steve mops nun den ceo abgibt;-) aber nun zur sache hier: das gute alte europa wollte schneller und handlungsfähiger sein als die usa und russland und china zusammen. leider hat dies zu einem irrglauben geführt und das politische konstrukt eines vereinten europas zum wanken gebracht. in den usa erholt sich die konjunktur nun langsam ohne dass der staat massivst eingergiffen hätte, aber europa hat sich die rezsessionsbremse sehr teuer erkauft mit dauernden bankenrettungen. nun gehts den banken wieder einigermaßen blendend, dafür müssen die staaten bluten. ich finde eine 3-5 %ige erhöhung der spitzensteuersätze schon in ordnung. nur müsste man auch gleichzeitig darüber nachdenken, endlich sinnlose steuersubventionen zu streichen, damit sich die großunternehmer nicht wieder "armrechnen". die zeit ist endlich reif, den mittelstand zu stärken, den faulen in den arsch zu treten und die oberen 100.000 ordentlich ihre gewinne abschöpfen zu lassen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%