Reichstagswahlen
Bürgerliches Lager übernimmt Macht in Schweden

Schwedens konservativer Parteichef Fredrik Reinfeldt (41) hat am Sonntag die Reichstagswahlen klar gewonnen und löst den Sozialdemokraten Göran Persson (58) als Ministerpräsident ab. Persson nannte die Wahl eine „große Enttäuschung“ und kündigte seinen Rücktritt als Regierungs- und Parteichef an.

HB STOCKHOLM. Die hinter Herausforderer Reinfeldt stehende Allianz aus vier Mitte-Rechtsparteien kam auf 48 Prozent gegenüber 46,3 Prozent für das sozialdemokratische Regierungslager.

Reinfeldts Moderate Sammlungspartei erzielte mit einem Plus von 10,6 Prozentpunkten auf 26 Prozent die höchsten Zugewinne der schwedischen Parteiengeschichte. Reinfeldt rief sich bereits kurz vor Abschluss der Stimmenauszählung zum Sieger aus. Er sagte, der Sieg sei „eine Teamarbeit“ aller vier bürgerlichen Parteien über das sozialdemokratische Regierungslager gewesen. Nun werde man „die Verantwortung für Schweden in einer neuen Zeit übernehmen“.

Die Sozialdemokraten fielen gegenüber den Wahlen 2002 um 4,5 Prozentpunkte auf 35,4 Prozent zurück. Das war das schlechteste Ergebnis der in Schweden seit 80 Jahren dominierenden Partei überhaupt. Premier Persson räumte seine Niederlage ein und kündigte seinen Rücktrittt an. „Morgen werde ich zum Parlamentspräsidenten gehen und meinen Rücktritt und den meiner Regierung einreichen“, sagte er vor einer Schar von Anhängern. Er wünsche, dass die Partei im kommenden März einen neuen Vorsitzenden wähle. Es sei an der Zeit, einer jüngeren Generation Platz zu machen, sagte Persson.

Die zur Allianz gehörende Zentrumspartei legte um 1,6 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent zu. Die im Schlussspurt des Wahlkampfes in einen Hackerskandal verwickelte liberale Volkspartei verlor 5,9 Prozentpunkte und kam auf 7,5 Prozent. Die Christdemokraten fielen um 2,5 auf 6,6 Prozent zurück.

Im bisherigen Regierungslager steigerte sich die Umweltpartei um 0,5 auf 5,1 Prozent. Die Linkspartei verlor 2,6 Prozentpunkte und kam auf 5,8 Prozent. Persson hatte seit seinem Amtsantritt im März 1996 eine Minderheitsregierung mit parlamentarischer Unterstützung der beiden kleineren Parteien geführt. Die schwedische Sozialdemokratie hat in 65 der letzten 74 Jahre den Regierungschef gestellt. Letzter bürgerlicher Ministerpräsident war der Konservative Carl Bild von 1991 bis 1994.

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