Reinhold Mitterlehner
Liberaler „Django“ wird Österreichs Vizekanzler

Die österreichische Regierungspartei ÖVP steckt in Turbulenzen. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner soll als neuer Parteivorsitzender einen Aufwärtstrend einleiten. Er gilt als Mann der Wirtschaft.
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WienSchneller Wechsel bei der österreichischen Regierungspartei ÖVP: Nur zwölf Stunden nach dem Rücktritt von Michael Spindelegger als Vizekanzler und Chef der konservativen ÖVP fand seine Partei einstimmig einen Ersatz. Der bisherige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner soll Vize-Regierungschef werden und den Chefsessel bei der zerstrittenen Regierungspartei übernehmen.

Ob der in der Wirtschaft des Alpenlandes angesehene 58-Jährige auch von Spindelegger das Amt des Finanzministers übernimmt, ist noch offen. Eine Entscheidung über das wichtige Amt in der hoch verschuldeten Alpenrepublik soll bis 2. September fallen.

Die ÖVP ist in einer schwierigen Lage. Die Partei gleicht angesichts des widersprüchlichen Interessen einer Schlangengrube. Beim Wähler kommen die Kabale nicht an. Nach den letzten Umfragen ist die ÖVP nur noch die drittstärkste Kraft – nach der rechtspopulistischen FPÖ und dem sozialdemokratischen Koalitionspartner SPÖ.

Mitterlehner, bei seiner katholischen Studentenverbindung Austro-Danubia einst als „Django bekannt, gilt in der Partei als Liberaler. Das gilt nicht nur bei der Frauenquote oder der Immigrationspolitik. Der distanzierte Wirtschaftsminister hat daher in den eigenen Reihen, vor allem in der Provinz, nicht nur Freunde. Mitterlehner, Vater von drei Töchtern, kommt aus dem Mühlviertel bei Linz.

In der Wirtschaft genießt der promovierte Jurist viele Sympathien. „Mitterlehner ist ein Mann der Wirtschaft und Arbeit, der versteht und weiß, dass erfolgreiche Unternehmer unser Land tragen“, sagt der einflussreiche Wirtschaftsbund-Präsident Christoph Leitl. Andere in der Wirtschaft loben seine Umsetzungsstärke, strategische Methodik und seinen großen Fleiß.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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