Reise durch Israel
Und plötzlich war da der Krieg

Unser Autor ist während der Kämpfe im Gaza-Streifen durch Israel gereist. Auch als Tourist bekommt er viele Eindrücke vom allgegenwärtigen Konflikt – und spricht mit israelischen Bürgern über die Zukunft des Landes.

Tel Aviv/JerusalemIsrael ist ein besonderes Land, das habe ich bereits bei meinem ersten Besuch vor genau einem Jahr begriffen. Vor allem Jerusalem hat mich nachhaltig geprägt – es gibt kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem auf so wenigen Quadratkilometern so viel Kultur, Religion und Weltgeschichte aufeinanderprallen. Mit wenigen Schritten kommt man in der Altstadt vom arabischen ins jüdische Viertel, von dort sind es nur wenige Meter ins christliche. Eine Querstraße weiter und man ist in einer anderen Welt.

Ich bin kein religiöser Mensch, ich sehe mir alles von einem außenstehenden Standpunkt an. Das habe ich vergangenes Jahr erlebt, zehn Tage lang – eine viel zu kurze Zeit. Da war noch zu viel, das auf mich wartet. Orte, die ich nicht gesehen, Geschichten, die ich nicht geschrieben habe. Also wollte ich unbedingt wieder da hin.

Genau eine Woche vor der Eskalation des Gaza-Konflikts habe ich zusammen mit einer Freundin den Flug nach Tel Aviv gebucht. Mit den ersten Luftangriffen auf Gaza begannen dann die regelmäßigen Nachfragen von Freunden und Familie, ob wir uns das wirklich antun wollen. Wörter wie „verantwortungslos“ oder „leichtsinnig“ fielen, dass ich mich freiwillig in so ein Krisengebiet begebe.

Das kann ich verneinen. Mir war die Sicherheitslage völlig bewusst, mir war klar, in welchen Teilen des Landes ich mich aufhalten kann und in welchen nicht. Eine gewisse Bedrohungslage ist in Israel immer spürbar, das lernte ich bereits bei meiner ersten Reise. Am 21. August also starteten wir in Richtung Tel Aviv.

Die Einreise am Ben-Gurion-Airport kann schon in friedlicheren Zeiten kompliziert sein, ich war also auf ein paar Fragen bezüglich meines Aufenthalts eingestellt. Während eine Amerikanerin, die allein reiste, einer dreistündigen Sonderbefragung unterzogen wurde, ging es bei uns ganz problemlos.

Wir stiegen im Florentine Hostel in Tel Aviv Jaffa ab, einer Unterkunft, die Altersdiskriminierung zum Geschäftsmodel erhoben hat: Personen über 40 dürfen hier nicht einchecken. Beflügelt durch betrunkene, bekiffte oder sich übergebende Party-Touristen aus den USA, Spanien und natürlich Deutschland hatten wir das Gefühl, die einzigen zu sein, die noch an den uns umgebenden Konflikt dachten.

Dazu muss gesagt werden, dass Tel Aviv eine komplett durchgeknallte Metropole ist, westlicher als so manche Stadt in Deutschland. Für Einheimische ist die Stadt eine Welt für sich: Es gibt Tel Aviv – und den ganzen Rest von Israel. Dort geht alles. Für die junge Generation ist die zweitgrößte Stadt des Landes oft so etwas wie der letzte Kompromiss: Wer ein westliches Leben führen möchte, ohne das Land verlassen zu müssen, zieht nach Tel Aviv.

Direkt am nächsten Tag, nach einem entspannten Ausflug zum Strand, war dann auf einmal der Krieg ganz nah.

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