Reise-Rekord
Der Sommer der Griechen

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Was die Türkei-Krise für Griechenland bedeutet

Vielerorts wird das Gedränge der Touristen den Griechen bereits zu groß. Auf der Kykladeninsel Santorin etwa sehen sich die rund 25.000 Einwohner in diesem Jahr einem Ansturm von rund zwei Millionen Besuchern ausgesetzt. Auf der Insel wird bereits diskutiert, die Gästezahlen zu begrenzen. Bürgermeister Nikos Zorzos sagt, die Insel habe ihren „Sättigungspunkt“ erreicht. Er fordert einen Baustopp.

Die steigenden Gästezahlen verdanken die griechischen Hoteliers nicht zuletzt der Tourismus-Flaute in der benachbarten Türkei. Vor allem deutsche Urlauber meiden Anatolien. Waren es 2016 die Welle von Terroranschlägen, der Putschversuch und die darauf folgenden politischen Turbulenzen, die viele Reisende verunsicherten, kommt nun die Welle von Festnahmen deutscher Staatsbürger als abschreckender Risikofaktor hinzu. Die Griechen profitieren davon. Vor allem deutsche Urlauber weichen nach Hellas aus.

Freude über die Schwierigkeiten der türkischen Kollegen herrscht in der griechischen Tourismusbranche aber nicht. Denn die Krise im Nachbarland beschert auch den Griechen Einbußen – nämlich im Geschäft mit Kreuzfahrttouristen. Wegen der Terrorwelle in der Türkei begannen 2016 die großen Kreuzfahrtreedereien, um türkische Häfen wie Istanbul, Kusadasi, Marmaris und Bodrum einen Bogen zu machen. Inzwischen haben die Reedereien mehrere Schiffe ganz aus dem östlichen Mittelmeer abgezogen. Darunter leiden auch die griechischen Inseln, die meist zusammen mit den türkischen Destinationen angelaufen wurden.

Nach einer Prognose des griechischen Kreuzfahrt-Branchenverbandes EEKFN werden in diesem Jahr in den griechischen Häfen Kreuzfahrtschiffe nur 3260 Mal festmachen, gegenüber 4290 Ankünften im vergangenen Jahr – ein Rückgang von 24 Prozent. So werden auf Santorin statt 572 Kreuzfahrtschiffen im Vorjahr jetzt nur 412 erwartet. In Mykonos werden voraussichtlich 488 Schiffe anlegen, nach 596 im Vorjahr. Auf der Insel Patmos erwartet man 115 Kreuzfahrtschiffe – 2016 kamen noch 147. Unter dem Strich wird die Zahl der Kreuzfahrttouristen in Griechenland in diesem Jahr auf 4,4 Millionen zurückgehen, von 5,2 Millionen im Vorjahr. Das bedeutet eine spürbare Einbuße für die Tavernenwirte, Andenkenhändler und Juweliere auf den griechischen Inseln.

Für 2018 rechnen Experten aber mit einer Erholung. Die Nachfrage nach Kreuzfahrten steigt kontinuierlich, und nachdem die Terrorwelle in der Türkei abgeebbt ist, dürften die Reeder wieder häufiger das östliche Mittelmeer ansteuern. Mit etwas Glück verzeichnen die Griechen dann den nächsten Reise-Rekord.

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Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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