Reisen kurzfristig abgesagt
Bush ruft zum Krisengipfel

Die Alarmglocken schrillen: US-Präsident George W. Bush ändert abrupt seine Reisepläne und ruft zum Finanzkrisen-Gipfel. Mit Experten will er darüber beraten, wie der Markt stabilisiert und das Vertrauen der Investoren zurückgewonnen werden kann.

HB WASHINGTON. Die Finanzwelt spielt dieser Tage verrückt. Alle paar Minuten tauchen neue Gerüchte auf, dass die nächste Bank wanke oder gar schon pleite sei. Vorzugsweise sind es US-amerikanische Namen. Und selbst wenn das Institut bis zu diesem Zeitpunkt gar keine Probleme hatte - spätestens jetzt hat es sie. Nahezu kritiklos schenken die Börsianer jeglichen Spekulationen Glauben; selbst vollkommen Abwegiges scheint plötzlich denkbar. Zu tief sitzt die Angst vor einem neuen Pleitefall à la Lehman Brothers.

Nun reagierte erneut die US-Regierung. US-Präsident George W. Bush hat wegen der Finanzkrise kurzfristig zwei Inlandsreisen abgesagt. Der Präsident werde am Donnerstag in Washington bleiben, um mit seinen Beratern die „Herausforderungen an den Finanzmärkten“ zu diskutieren, teilte Präsidentensprecher Tony Fratto mit. Die „Gesundheit unserer Finanzmärkte“ sei wichtig für das Wirtschaftsleben, Bush wolle die Märkte „stabilisieren und stärken“.

Ursprünglich hatte Bush am Donnerstag an Veranstaltungen in Florida und Alabama teilnehmen wollen. Trotz einer dramatischen Rettungsaktion der US-Notenbank für den Versicherungsriesen American International Group (AIG) hatte sich an der New Yorker Börse am Mittwoch keine Ruhe eingestellt. Es war das zweite Mal in diesem Monat, dass die US-Regierung ein Unternehemen faktisch verstaatlichte.

Finanzieren will die US-Regierung die jüngsten Finanzspritzen für AIG und die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zum Teil durch zusätzliche Staatsanleihen. Das Finanzministerium in Washington kündigte die Ausgabe von neuen Schuldtiteln in Höhe von 40 Milliarden Dollar an.

Nun gilt es vor allem, zu beruhigen. Immer neue Gerüchte bringen immer neue Unternehmen in die Bredouille, schicken ihre Aktien trotz robuster Zahlen auf Talfahrt. Auch vor deutschen Banken macht die Gerüchteküche nicht halt. Börsianer verwiesen auf Spekulationen, wonach die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank vor dem Aus stehen könnte. Doch Allianz und Commerzbank schickten sofort ein Dementi.

Geballte Aktion der Notenbanken

Um die nervösen Börsen zu beruhigen, wollen die Notenbanken weltweit frisches Geld zur Verfügung stellen. Wie es in einer von der Europäischen Zentralbank (EZB) verbreiteten Erklärung hieß, wollen die Bank of Canada, die Bank of England, die EZB, die US-Notenbank Fed, die Bank of Japan und die Schweizerische Nationalbank Geld in den Dollarmarkt pumpen, um die Liquidität der Finanzsysteme zu erhalten. Seit der Lehman-Brothers -Pleite von Anfang der Woche zögern immer mehr Banken, sich untereinander Geld zu leihen.

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