Religiöse Toleranz
Erdogan beklagt „Islamophobie“ der westlichen Staaten

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beschwert sich über die wachsende Islam- und Fremdenfeindlichkeit in den westlichen Staaten. Seiner Ansicht nach ist „Islamophobie“ ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

HB STRASSBURG. „So wie Antisemitismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, sollte auch Islamophobie (Vorurteile oder feindselige Haltung gegen Muslime) betrachtet werden“, sagte Erdogan in Straßburg. Der Regierungschef aus Ankara warnte in seiner Rede vor der parlamentarischen Versammlung des Europarates vor einer zunehmenden Islam- und Fremdenfeindlichkeit in der Welt, in der „wir Muslime uns immer stärker belagert fühlen“.

Mit Hinweis auf die Affäre um dänische Mohammed-Karikaturen sagte Erdogan, man dürfe Meinungsfreiheit nicht mit Beschimpfungs-Freiheit verwechseln. Diese Affäre zeige nicht nur einen „mangelnden Respekt vor religiösen Überzeugungen“, sondern sei Zeichen einer „wachsenden und gefährlichen Polarisierung zwischen der westlichen und der islamischen Welt“.

„Ist die Meinungsfreiheit unbegrenzt?“ fragte Erdogan. Es müssten Regeln definiert werden, die den kulturellen und religiösen Werten verschiedener Gesellschaften Rechnung trügen. „Alle Freiheiten haben eine Grenze. Man kann keine grenzenlosen Freiheiten haben - es hat in der Geschichte nie eine unbeschränkte Meinungsfreiheit gegeben“, sagte Erdogan. In Städten wie London und Paris entstünden wegen mangelnder Integration muslimischer Einwohner Probleme.

Erdogan forderte die westlichen Staaten auf, die dort lebenden Muslime besser zu integrieren. „Mit einem Bevölkerungsanteil zwischen 10 und 25 Prozent in den größten Städten Europas ist es wichtig, eine Politik der sozialen Integration fortzuführen, um ein friedliches Zusammenleben zu sichern.“ Dies sei eine „große Herausforderung“, die aber „im gemeinsamen Bemühen der Gastländer und der muslimischen Gemeinden“ bewältigt werden könne.

Auf Fragen von Europaratsabgeordneten über den Schutz der Menschenrechte und religiöser Minderheiten in der Türkei ging Erdogan nicht ein. In der Versammlung stand im Zusammenhang mit Erdogans Besuch eine Entschließung über Meinungsfreiheit und religiöse Toleranz zur Debatte.

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