Religionsdebatte
Türken streiten um das Kopftuchverbot an Unis

Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan will das Kopftuchverbot an türkischen Hochschulen aufheben. In der offiziell sakulären Türkei sorgen seine Pläne für eine heftige Debatte. Bisher verweigern Oppositionspolitiker Erdogan die Zustimmung - doch der Widerstand lässt nach.
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HB ANKARA. Regierung und Opposition in der Türkei haben sich am Mittwoch nicht auf Pläne zur Aufhebung des Kopftuchverbots an Hochschulen einigen können. Die Republikanische Volkspartei (CHP) hatte sich zu einer Diskussion über die von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geplante Änderung bereit erklärt, solange die islamische Kopfbedeckung in der Primar- und Sekundarstufe sowie in Regierungseinrichtungen verboten bleibe. Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) habe jedoch nicht garantiert, dass die Aufhebung auf Universitäten beschränkt bleibe, sagte Kemal Anadol von der CHP.

Vertreter der AKP wollten Abgeordnete der Opposition von der Bildung eines gemeinsamen Parlamentsausschusses überzeugen, um über Wege zur Aufhebung des Kopftuchverbots zu beraten. Vor den Gesprächen hatte die Hochschulbehörde bereits die Professoren angewiesen, Studentinnen mit Kopftuch nicht mehr aus den Hörsälen zu verbannen.

Das Thema Kopftuch sorgt in der muslimisch-dominierten, aber offiziell säkularen Türkei für heftige Diskussionen. Eingeführt wurde das strikte Verbot nach dem Militärputsch von 1980. Erdogan bemüht sich seit seinem Amtsantritt im Jahr 2003 um seine Aufhebung.

Bereits vor zwei Jahren hatte seine islamisch-konservative AKP versucht, die Regeln für das Tragen von Kopftüchern an Universitäten zu reformieren. Das Vorhaben scheiterte jedoch vor dem türkischen Verfassungsgericht, das in der umstrittenen Reform einen Widerspruch zur säkularen Verfassung des Landes sah.

Säkularisten sehen im Kopftuch ein Symbol des politischen Islams und betrachten jeden Versuch, es in Schulen zuzulassen, als Angriff auf die säkularen Gesetze der Türkei. Zudem wird befürchtet, dass eine Aufhebung des Kopftuchverbots Mädchen unter Druck setzt.

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  • Aber in die EU eintreten wollen! Da wissen wir ja alle, was auf uns zukäme. Unfassbar, mit welcher Chuzpe die islamistischen Hardliner um Erdogan und seine Herrscher-Camarilla die türkische Verfassung mit Füßen treten, Gesetze brechen und Menschenrechte mißachten. Daß sich ein gewisser Herr Wulff diesen Faschisten an den Hals wirft und nach dem Mund redet, läßt an dem republikanischen Status Deutschlands ernsthaft zweifeln.

  • Das Kopftuch ist das Symbol, die Kampfflagge des faschistischen islam und der islamischen Apartheid, nicht nur der Geschlechterapartheid, sondern der ethnischen, politischen Apartheid. Man stelle sich vor, es würden Leute hier im öffentlichen Raum mit Hakenkreuzbinden herumlaufen.

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